Neuer Thriller von Jan Beck: Ruhelos, ratlos und überpowert durch die Nacht

Jan Beck hat mit seinem zweiten Thriller „Die Nacht“ seinen Bestseller aus dem Vorjahr begraben. Er wollte mehr und hat sich wirr verloren. Auferstehung ungewiss.

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Nach „Das Spiel“ hat der Innsbrucker Autor Joe Fischler mit „Die Nacht“ nun seinen zweiten Thriller unter dem Pseudonym Jan Beck veröffentlicht.
© Föger

Von Peter Nindler

Innsbruck – Zu viele Perspektiven, zu wenig Ruhe, überfrachtete Zeitreisen, ein Verbrechen, das in der Vielzahl von Geschichten und Charakteren zerfleddert: Jan Beck alias Joe Fischler hat sich mit seinem zweiten Thriller „Die Nacht“ selbst überfordert. Nach seinem fulminanten Nervenkitzel „Das Spiel“, das ihn im Vorjahr auf die Bestsellerlisten katapultiert hat, wollte Jan Beck mehr. Herausgekommen ist allerdings atemlos weniger. Im Sport würde man sagen, Jan Beck „überpowert“. Sprachlich, stilistisch und inhaltlich. Am Ende eines wirren Sammelsuriums atmet man befreit auf, sehnt sich nach einem klassischen Thriller mit spannungsgeladener Struktur ohne überzeichnetes Kopfkino.

„Der Nachtmann“ mordet, seine Methoden sind zwar schaurig geistreich, doch Europol-Ermittlerin Inga Björk und ihr Wiener Kollege Christian Brand verlieren sich in ihren eigenen Geschichten. Zu viel Psychologie und selbstgefällige Nabelschau. So zerfällt „Die Nacht“ in ihre Einzelteile, am herbeigesehnten Ende entkommen nur zwei von fünf Entführten den Mordmaschinen.

Jan Beck lässt einen ratlos zurück, weil er es ja eigentlich kann. Diesmal scheiterte er aber am eigenen Anspruch. Rastlose Schnelligkeit und ein Potpourri von „Playern“ – wobei manche lieber im Nachtschatten verborgen bleiben sollten – ergeben ein ermüdendes Mosaik. Jan Beck hat Inga Björk und Christian Brand in die Röntgenröhre geschoben, sie bis zu den Zehenspitzen ausgeleuchtet. Ob es mit einer Pause getan ist? Möglicherweise bleiben sie lebendig begraben. Eine auferstehende THRILLogie dürfte schwer bis unmöglich sein. Jan Beck hat selbst den Deckel zugemacht.

Thriller

Jan Beck: „Die Nacht“, Penguin Verlag, 464 Seiten, 15,50 Euro.


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