Anästhesie- und Intensivmediziner rufen zur Corona-Impfung auf

ÖGARI-Präsident Walter Hasibeder vom Krankenhaus Zams wirbt für eine höhere Impfquote. Erfahrungen aus Intensivstationen würden sich mit Studien decken. Die Zahl der stationären Covid-Erkrankungen hätte sich in den letzten drei Wochen verdreifacht.

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Vollimmunisierte auf Intensivstationen seien Menschen, die an angeborenen oder erworbenen Immundefekten leiden, versichert ÖGARI-Präsident Walter Hasibeder.
© pixabay/torstensimon

Wien/Zams – Die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) veröffentlichte am Freitag einen dringenden Appell zur Corona-Impfung. "Wir betreuen heute 72 Covid-19-Patientinnen und -Patienten an den österreichischen Intensivstationen und 301 insgesamt stationär", sagte ÖGARI-Präsident Walter Hasibeder vom Krankenhaus St. Vinzenz in Zams. "Wer sich impfen lässt, ist optimal gegen schwere Krankheitsverläufe geschützt."

Vor genau einem Jahr waren es mit 95 hospitalisierten Covid-Patienten, davon 21 intensivpflichtig, weniger als ein Drittel der heutigen Belagszahlen. "Allein in den vergangenen drei Wochen hat sich die Zahl der stationär aufgenommenen Erkrankten mit schwerem Covid-Verlauf verdreifacht, jene auf den Intensivstationen verdoppelt", betonte Hasibeder.

Hasibeder: Jeder Ungeimpfte wird sich infizieren

Das müsste nicht sein. "Es liegen inzwischen umfassende Daten aus aller Welt vor, die klar belegen, dass bei Vollimmunisierung gegen SARS-CoV-2 das Risiko eines schweren Verlaufs verschwindend gering ist. Unsere Erfahrungen an den österreichischen Intensivstationen decken sich mit den Studien." Intensivpflichtige Geimpfte mit Covid-19 "sind die absolute Ausnahme". Betroffen seien Menschen, die an angeborenen oder erworbenen Immundefekten leiden. Anderslautende Gerüchte, wie sie in sozialen Medien kursieren, seien "schlicht und einfach Fake News", so der ÖGARI-Präsident.

Die aktuelle Impfquote von knapp 57 Prozent müsse unbedingt erhöht werden, sagte Hasibeder. "Jede und jeder, die oder der nicht geimpft ist, wird sich letztlich infizieren. Und niemand kann den klinischen Verlauf und die gefährlichen Folgeerkrankungen einer Infektion im Einzelfall vorhersehen."

Dass das Gesundheitsministerium einen klaren Plan für den "dritten Stich" im Herbst aufgesetzt habe, wurde begrüßt. "Wir wissen aus internationalen Daten, dass vor allem bei älteren Menschen nach einer bestimmten Zeit die Antikörpertiter wieder sinken", so Hasibeder. "Wollen wir also im kommenden Winter nicht wieder gerade in dieser besonders vulnerablen Gruppe vermehrt schwere Verläufe sehen, ist die Auffrischung sehr wichtig."

Situation wie in Alabama drohe bei zu wenig Impfungen

Die mit der vierten Welle und einer unzureichenden Durchimpfung einhergehenden Gefahren skizzierte der ÖGARI-Präsident anhand von US-Südstaaten wie Alabama, wo die Impfrate deutlich niedriger ist als im nationalen Durchschnitt und die Intensivkapazitäten bereits wieder ausgeschöpft sind. Auch in der Schweiz drohe angesichts stark steigender Infektions- und stagnierender Impfzahlen ein massives Risiko für die Versorgungskapazitäten. (TT.com, APA)


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