„Feministinnen am Zug“ in Osttirol: Bezahlte und unbezahlte Arbeit aufteilen

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Elisabeth Blanik, Eva-Maria Holzleitner, Selma Yildirim und Evelyn Müller (v. l.) setzen auf „Halbe-halbe für ganze Gerechtigkeit“.
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Von Christoph Blassnig

Lienz – Unter dem Motto „Feministinnen am Zug“ reist die kürzlich gewählte Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ, Eva-Maria Holzleitner, im Rahmen einer Sommertour durch die Bundesländer. Am Abend vor einem Pressegespräch in Lienz war Holzleitner gemeinsam mit der Tiroler Landesfrauenvorsitzenden Selma Yildirim zu einem Stammtisch mit der Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und der Bezirksfrauenvorsitzenden Evelyn Müller geladen. „Wir haben auch in Lienz Frauen und ihre Schicksale kennen gelernt, die betroffen machen“, berichtete Yildirim. Die Frauen erzählten den Politikerinnen von familienfeindlichen Arbeitszeiten, fehlender Kinderbetreuung, über Jahrzehnte deutlich geringerer Entlohnung im Vergleich zu jüngeren männlichen Kollegen im selben Betrieb bis hin zur schuldlosen Kündigung wenige Jahre vor der Pensionierung. Um gleichen Lohn für gleiche Arbeit endlich flächendeckend durchsetzen zu können, forderte Yildirim ein Lohntransparenzgesetz nach dem Vorbild Islands. Demnach müssten alle Unternehmen öffentlich einsehbar nachweisen, dass es keine Minderbezahlung gibt.

In Osttirol stünden Bäuerinnen vor dem Nichts, wenn sie den Hof verlassen. „Die Altersarmut bleibt leider ein Thema, das vor allem Frauen betrifft, gerade bei uns“, befand Blanik. Nur Erwerbstätigkeit schaffe die Basis für ein selbstbestimmtes Leben. „In Österreich sind besonders viele Frauen teilzeitbeschäftigt, weil ihnen durch die Mehrfachbelastung neben Kinderbetreuung, Pflege und Co. gar nichts anderes übrig bleibt“, erklärte Holzleitner und verlangte gesetzliche Vorgaben für die gerechte Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Die SPÖ-Frauen wollen in Lienz wieder regelmäßig zu einem offenen Stammtisch einladen.


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