Jagd eröffnet: Tiroler Experten-Gremium nimmt Beutegreifer ins Visier

Heute treten neue Bestimmungen im Tiroler Alm- und Jagdgesetz in Kraft. Sie sollen die rasche Entnahme von Problemwölfen und -bären ermöglichen.

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„Wir sind die Ersten in Österreich, die diesen Weg gehen“, sagt der zuständige Landesrat Josef Geisler (ÖVP).
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Innsbruck – Im Juli vom Landtag beschlossen, ab heute in Kraft: Änderungen im Alm- und Jagdgesetz sollen den Umgang mit Wolf und Bär in Tirol revolutionieren. Und einen raschen Abschuss so genannter „auffälliger“ Beutegreifer ermöglichen, die als Gefahr für Weidetiere und Menschen eingestuft werden. Verantwortlich für diese Beurteilung ist ein fünfköpfiges Experten-Gremium, dieser Tage nimmt es die Arbeit auf. „Wir reizen alle Spielräume aus, die uns der EU-Rechtsrahmen bietet“, sagt der zuständige Landesrat Josef Geisler (ÖVP).

Die weisungsfreie Kommission setzt sich aus Fachleuten aus den Bereich Tierwohl, Agrarwirtschaft und Naturschutz sowie einem Vorsitzenden zusammen. Ihre Namen werden aus Sicherheitsgründen geheim gehalten, wie gestern in einer Aussendung mitgeteilt wurde. Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit und „in Übereinstimmung mit dem Österreichischen Wolfsmanagementplan“ gefasst. Es wird das Verhalten der Beutegreifer analysiert und beurteilt und daraufhin eine Empfehlung für Maßnahmen, bis hin zur Entnahme, ausgesprochen. Die Landesregierung stellt dann per Verordnung die von einem Individuum ausgehende Gefahr fest, dann darf es gejagt werden. Dem Vernehmen nach wurde dem Gremium, welches sich bereits zu einem informellen Treffen zusammenfand, bereits alle relevanten Unterlagen zur Beurteilung des aktuellen Situation übermittelt. In der ersten Sitzung werden vermutlich drei „Problemtiere“ Thema sein, die im Pitztal, dem Ötztal und Osttirol für zahlreiche Risse verantwortlich sind. „Wir sind die Ersten in Österreich, die diesen Weg gehen und betreten damit Neuland“, sagt Landesrat Josef Geisler. Durch das Einnehmen eine „Pionierrolle“ solle allen voran jenen Almen eine Perspektive geboten werden, „auf denen Herdenschutz nicht umsetzbar ist“.

Aber nicht nur den Abschuss auffälliger Beutegreifer soll die Gesetzesanpassung ermöglichen. Weiters sollen künftig Weideschutzgebiete ausgewiesen werden – also Regionen, in denen Zäune oder Hirtenhunde nicht eingesetzt werden können. Geisler will es dabei allerdings nicht belassen. Er möchte sich, unabhängig von den neuen Landesregelungen, auf europäischer Ebene für eine Anpassung des Schutzstatus der Beutegreifer, insbesondere des Wolfes, in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie vorantreiben.

Kritik vom WWF

Kritik an den Tiroler Plänen kommt indes von der Naturschutzorganisation WWF. „Es ist aus unserer Sicht höchst zweifelhaft, dass damit ein rechtskonformer Weg beschritten wird“, meint WWF-Experte Christian Pichler in einer Stellungnahme gegenüber der . „Rechtswidrige Abschüsse können nicht verhindern, dass der nächste Wolf nachzieht. Fachgerechter Herdenschutz bleibt unumgänglich“, sagt Pichler. Er bemängelt, dass Entscheidungen über Abschüsse in ein „Geheimgremium“ auslagert werden und die Politik sich so vor der Verantwortung zur Lösung von Konflikten drückt. (bfk)

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