Tiroler Schafzuchtverband fordert: „Wolf-Entnahme sofort“

Der Schafzuchtverband Tirol fordert eine unverzügliche Anwendung der Jagd- und Almgesetznovelle. Mehr als 3000 Tiere wurden vorzeitig ins Tal getrieben.

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Obmann Michael Bacher: „Es ist genug Schaden angerichtet. Wir brauchen Planungssicherheit für die neue Almsaison.“
© Wenzel

Imst – Auch wenn, wie berichtet, am Samstag die neuen Bestimmungen zum Almschutz- und Jagdgesetz in Kraft getreten sind: Für den Tiroler Schaf- und Ziegenzuchtverband mit Obmann Michael Bacher gibt es keine Atempause. Beim Info- und Diskussionstag gestern im Imster Agrarzentrum West standen die Zeichen auf Sturm, sprich „Entnahme der Raubtiere sofort“. „Es ist schon zu viel Schaden auf den Almen angerichtet worden“, war aus den Reihen der Schafbauern zu hören. „Wir haben schon zu lange zugeschaut und um unsere Tiere bangen müssen. Die Raubtiere gehören endlich weg.“

Wer zahlt eigentlich die zusätzlichen Futterkosten für die Tiere, „die wir vorzeitig von den Almen treiben mussten?“, greift Obmann Bacher eine der aktuellen Fragen auf. Die laufende Saison habe den Mitgliedern hauptsächlich Sorgen und Probleme beschert, die Motivation liege bei vielen im Keller, einige hätten ihren Stall bereits zugesperrt. Mit Blick in die Zukunft hob der Obmann hervor: „Die Weidewirtschaft bleibt in Tirol unverzichtbar. Was wir brauchen, ist vor allem Planungssicherheit für die neue Almsaison.“

Mehr als 300 Almtiere seien den Beutegreifern diesen Sommer bisher zum Opfer gefallen, zeigte Tirols Landwirtschaftskammerpräsident NR Josef Hechenberger auf. „Die Folge war, dass mehr als 3000 Schafe vorzeitig ins Tal abgetrieben wurden. Das heißt auch, der Bär und der Wolf sind bei uns heimisch geworden.“ Die Beutegreifer würden „enormes Tierleid erzeugen“, so der Kammerpräsident. Nicht nur bäuerliche Familien hätten massive Probleme mit den Beutegreifern: „Die Gesellschaft hat ein Problem.“ Oft sei die Gefahr zu wenig bewusst, wenn Almflächen nicht mehr beweidet werden. Mit verwaisten Almen habe der Tourismus ebenfalls ein Problem, „weil er mit der Natur- und Kulturlandschaft Tirols wirbt“.

Die Vorgangsweise bei der Entnahme von Beutegreifern, die EU-rechtlich halten soll, erläuterte LHStv. Josef Geisler: „Ein Fachkuratorium, das wegen militanter Tierschützer anonym bleiben muss, beurteilt die Verhaltensauffälligkeit der Raubtiere. Sie gibt dann eine Empfehlung zu den notwendigen Maßnahmen ab. Das kann eine Entnahme oder eine Vergrämung sein.“ (hwe)

WWF: „Herden schützen“

Wie mehrfach bei Alm-Exkursionen in Tirol und Vorarlberg aufgezeigt, plädiert Wolf-Experte Christian Pichler von der Naturschutzorganisation WWF für „mehr Herdenschutz“. Damit könnten nicht nur Risse verhindern, sondern Schafe auch besser vor Krankheiten oder Unwettern bewahrt werden. „Genau darauf muss die Politik den Schwerpunkt legen und das Fördersystem verbessern, um der Almwirtschaft dauerhaft zu helfen“, hob Pichler hervor.

Ausnahmen vom Schutzstatus der Wölfe „sind nur nach Berücksichtigung der Umstände im Einzelfall sowie nach der Ausschöpfung gelinderer Mittel zulässig“, so der WWF-Experte.


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