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„Ich hatte schon mit 20 Jahren nostalgische Anwandlungen“

Dirigent Riccardo Muti feierte Ende Juli seinen 80. Geburtstag – zumindest offiziell. Denn der Italiener hat noch einen zweiten Geburtstag. Ans Aufhören hat er auch schon gedacht.

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Riccardo Muti hat auch das Neujahrskonzert 2021 der „Wiener Philharmoniker“ dirigiert.
© APA

Salzburg – Ein wichtiges Jahr für den großen Dirigenten Riccardo Muti. Im Juli feierte er seinen 80. Geburtstag, bei den Salzburger Festspielen das 50-Jahr-Jubiläum – dort dirigierte er diesen Sommer erstmals Beethovens „Missa Solemnis“. In zwei Jahren gibt es diesen „Fünfziger“ auch an der Wiener Staatsoper. In Salzburg wurde er jetzt auch geehrt, mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. An der Salzach gab er ein einziges Interview.

Maestro, Ihr aufregendes Leben begann ja bereits mit einem besonderen „Gag“. Ihre Mutter war mit dem Herrn Gemahl nach Maolfetta bei Bari übersiedelt. Als Neapolitanerin wollte sie aber all ihre fünf Söhne in Neapel zur Welt bringen. Das gelang viermal, nach anstrengender zwölfstündiger Bahnfahrt. Nur bei Ihnen, dem Jüngsten, nicht mehr. Sie drängten sich am 28. Juli 1941 schon vor der Ankunft in diese Welt. Am nächsten Tag war die „Mamma“ im entsprechenden Amt in Neapel gestellt, der zuständige Beamte zeigte sich generös und trug 28. Jänner, Napoli in die Dokumente ein. Demnach haben Sie zwei Geburtstage?

Riccardo Muti: Ja, und als Teenager habe ich meine Mutter einmal gefragt, warum sie das getan hat. Sie antwortete: „Wenn euch einmal jemand fragt, wo ihr geboren seid, und ihr nennt das kleine Nest bei Bari, müsst ihr immer eine halbe Stunde erklären, wo das liegt. Antwortet ihr aber ,Napoli‘, dann wird es nur viel ,Ah‘ und ,Oh‘ geben und sie werden euch respektieren.“ Das heißt aber nicht, dass ich mich nicht zu meiner Heimat Apulien bekenne. Das ist eine wunderbare Gegend und wird immer mehr zum Ziel von Touristen aus aller Welt.

Leben noch alle Ihre Brüder?

Muti: Nein. Einer ist von uns gegangen.

Ist Ihr 80. Geburtstag ein guter Anlass, Bilanz zu ziehen?

Muti: Ach, ich hatte schon mit 20 Jahren nostalgische Anwandlungen. Heute sage ich: Solange wir unsere Jahre zählen können, so lange sind wir noch lebendig.

Zwischendurch haben Sie teilweise auch Herbert von Karajans früheres Domizil in Salzburg bewohnt. Gehört Ihnen das nicht mehr?


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