Ernüchterung in Tirol: Impfangebote für die Gemeinden ausgereizt

Obwohl jeder Stich zählt: Die Tiroler Impfoffensive blieb mit 1100 Impfungen hinter den Erwartungen zurück. „Es braucht viel Überzeugungskraft“, befand etwa der Matreier Bürgermeister Andreas Kröll.

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Der Impfschwerpunkt wurde am Samstag abgeschlossen, 57 Prozent der Tiroler sind vollständig geimpft.
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Von Peter Nindler

Innsbruck – Der Plafond beim niederschwelligen Impfangebot in Tirol dürfte erreicht sein: In der vergangenen Woche wurde in 26 Gemeinden im Ötztal, im Oberen Gericht, im Unterland und in Osttirol schwerpunktmäßig geimpft. Die betreffenden Kommunen wiesen eine vergleichsweise niedrige Impfquote auf. Schlussendlich ließen sich rund 1100 Personen immunisieren, das bleibt jedoch deutlich hinter den Erwartungen des Landes zurück. Das wird ganz offen angesprochen. „In der Region Untere Schranne und Kaiserwinkl gibt es weiterhin Aufholbedarf bei der Impfquote. Vor allem die Region Hinteres Iseltal zählt in Sachen Impfquote tirolweit zu jenen Regionen mit den niedrigeren Zahlen“, betont Landesgesundheitsdirektor Thomas Pollak.

In Osttirol geht man davon aus, dass man mit dem wohnortnahen Angebot das Ende der Fahnenstange erreicht hat, wie es die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik erklärt. Für sie ist es „besorgniserregend“, weil schließlich alles unternommen werde, „um den Menschen das Impfen so einfach wie möglich zu machen“. Offenbar stoße man an die Grenzen der Freiwilligkeit. Blanik: „Wahrscheinlich braucht es wirklich die 1-G-Regel als Zutrittsvoraussetzung.“

Ähnlich argumentiert der Bürgermeister von Matrei in Osttirol, Andreas Köll: „Wir haben alles versucht, was möglich ist, um die Menschen zum Impfen zu bewegen. Der Aufwand ist groß, alleine in Matrei haben wir drei Personen dafür abgestellt.“ 120 Einwohner nützten zuletzt das Angebot, ist Köll einigermaßen zufrieden. „Weil jeder Stich zählt und wir die Durchimpfung erhöhen konnten.“ In den anderen Iseltaler Gemeinden war es jedoch eher bescheiden.

Köll denkt jetzt schon an den nächsten Anlauf. „Doch es wird immer schwerer, es braucht wirklich viel Überzeugungskraft – intensive persönliche Gespräche sind notwendig. Doch wir müssen die 80 Prozent anstreben.“ In seiner Gemeinde gilt bei Neueinstellungen im Kindergartenbereich jedenfalls die Impfung als Voraussetzung. „Anders geht es nicht.“ Wie die Lienzer Bürgermeisterin spricht sich Köll ebenfalls für die Einführung der 1-G-Regel aus.

Platter kann sich mit 1-G-Regel vorsichtig anfreunden

Damit kann sich Landeshauptmann Günther Platter (VP) vorsichtig anfreunden. „Wir müssen jedoch aufpassen, dass dies zu keinem Generationenkonflikt führt. Die Jungen dürfen nicht das Gefühl haben, dass sie die Sündenböcke sind.“ Trotzdem sei man bei der Impfquote „noch nicht dort, wo wir hinwollen“. Der Landeshauptmann weist darauf hin, dass das Land in einer nächsten Phase vor allem die Unentschlossenen ansprechen wolle. Wie? „Hier benötigt es die Experten, weniger die Politik, die den Menschen den Vorteil einer Impfung aufzeigen.“ Dazu zählt er vor allem die Ärzte im niedergelassenen Bereich, die meist erste Ansprechpartner sind.

Landesweit sind bisher 60 Prozent erstgeimpft und rund 57 Prozent vollimmunisiert.


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