Glettler übt Kritik an ÖVP-Haltung zu Afghanistan, Kurz in Tirol

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Glettler appelliert an den „Geist der Großherzigkeit“ beim Umgang mit Flüchtlingen aus Afghanistan.
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Es war eine eindringliche Mahnung von Diözesanbischof Hermann Glettler beim Gottesdienst gestern am Tirol-Tag in Alpbach. Über die Adresse seiner Botschaft gab es keinen Zweifel: die türkise Volkspartei. In den vielfachen Belastungsproben aus politischen Konflikten bis hin zur „galoppierenden“ Klimaveränderung helfe „nationalistische Engstirnigkeit“ nicht weiter, zitierte die Kathpress Glettler.

In jedem Fall brauche es einen „Geist der Großherzigkeit“, was Glettler am Beispiel Afghanistan und der anhaltenden österreichischen Debatte um Asyl und Abschiebungen konkretisierte. Die Machtübernahme der Taliban habe auch hierzulande Panik ausgelöst, so der Bischof. „Man kann mit einem verzagten oder populistisch motivierten Geist jetzt schon fiktive Abwehrkämpfe ersinnen, um ja nicht noch mehr Flüchtende aufnehmen zu müssen. Aber was ist das angesichts der verzweifelten Lage von Millionen?“, fragte Glettler. Auch wer „mit eiferndem Geist“ sich seit Jahren in europäischen Ländern aufhaltende Afghanen generell kriminalisiere und sie mit allen Mitteln loswerden wolle, schüre ein „unmenschliches Klima“.

Stattdessen muss man sich laut Glettler „diesen extrem verzweifelten Menschen“ gerade jetzt zuwenden, rief der Bischof auf. „Die meisten von ihnen bangen um ihre Angehörigen, die ihr Heimatland nicht mehr rechtzeitig verlassen konnten. Viele von den jungen Leuten sind uns auch in Tirol als integrationswillige und fleißige Lehrlinge bekannt. Es ist doch ein Gebot der Stunde, menschliche Kontakte jetzt zu stärken und therapeutische Beratung anzubieten“, sagte Glettler.

Kanzler Kurz besucht heute die Tiroler Volkspartei.
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ÖVP-Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck hörte Glettlers Worte, heute wird Parteichef und Bundeskanzler Sebastian Kurz übrigens rund 300 Parteifunktionäre bei einer internen Veranstaltung in Mils treffen. Kritik an Kurz kommt indes von den Tiroler Grünen. „Der Bundeskanzler wird akzeptieren müssen, dass es unter seiner Kanzlerschaft einen Rechtsstaat gibt mit Asylverfahren. Eine Flüchtlingsaufnahme kategorisch auszuschließen, halte ich für eine gezielte Provokation. Ein Aufnahmestopp ist rechtlich nicht möglich“, sagt NR Hermann Weratschnig. Der faktenbefreite Ungeist des Kanzlers muss aufgezeigt werden. Umso mehr müssten die Grünen Haltung zeigen, wenn schon die Opposition dies vernachlässige. „Das ständige Untergraben von europäischen Werten schadet Österreich.“ (TT, pn)


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