Warten aufs Familiengeld: Scharfe Kritik an langer Bearbeitung

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Besonders Jungfamilien sind auch auf das Familiengeld angewiesen.
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Innsbruck, Wien – Monatelang warten Anspruchsberechtigte auf die Familienbeihilfe, die TT berichtete bereits mehrmals. Nun kritisiert auch die Volksanwaltschaft die Verzögerungen bei der Zuerkennung der Familienbeihilfe. Es gebe rund hundert Beschwerdefälle, in denen Eltern teils mehrere Monate lang darauf warten mussten, so Volksanwalt Bernhard Achitz (SPÖ) in einer Aussendung am Sonntag. Das Finanzministerium rechtfertigte sich in einer Stellungnahme. Während der Coronakrise sei die Anspruchsprüfung ausgesetzt worden. Nun sei dies wieder nötig und man sei dabei, alle Fälle aufzuarbeiten.

„Im Finanzministerium hat man es versäumt, rechtzeitig nach der Corona-bedingten Pauschalisierung genug Personal für die wiederaufgenommenen Einzelfallprüfungen bereitzustellen“, so Achitz. Die Umstrukturierung und Zentralisierung der Finanzämter führe außerdem dazu, dass man telefonisch entweder gar niemanden erreiche oder dass man in einer Außenstelle am anderen Ende der Republik lande.

Im Ressort erklärte man, dass bei der nachträglichen Überprüfung der Anspruchsberechtigungen bereits 92 Prozent der rund 207.000 Rückmeldungen aufgearbeitet seien. „Nahezu alle noch nicht finalisierten Anspruchsüberprüfungsschreiben bzw. Anträge werden aktuell schnellstmöglich bearbeitet, um eine umgehende Auszahlung der Familienbeihilfe zu gewährleisten“, wurde betont.

Ende Juli hatte Andrea Ertl-Stigger, Leiterin der Caritas-Sozialberatungsstellen darauf hingewiesen, dass für sehr viele junge Familien das Kinderbetreuungs- oder Karenzgeld, das an die Gewährung der Familienbeihilfe gekoppelt ist, sehr oft ein recht großer Teil des Familieneinkommens sei. Sehr oft müsse die Caritas zur finanziellen Überbrückung, bis Familienbeihilfe und Kinderbetreeungsgeld rückwirkend überwiesen werden, für diese Familien Mindestsicherung beantragen. (ver, APA)


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