Vogelkundler plädiert an Politik: „Noch ist die Isel zu retten!“

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Die Isel und ihre Ufer bieten der Tier- und Pflanzenwelt noch Rückzugsräume, wie sie anderswo längst verschwunden sind.
© TVB Osttirol/Ramona Waldner

Lienz – Während der Tourismusverband Osttirol über den Erfolg des Weitwanderweges Iseltrail jubelt und die 76 Kilometer lange Route heuer mit Hilfe einer halben Million Euro aus dem Konjunkturpaket des Landes mit neuen Erholungspunkten, Wegsanierungen sowie Einrichtungen zur Besucherlenkung und -information aufwerten will, mehrt sich auch Kritik an diesen Vorhaben.

Osttirol drohe „überschüttet“ zu werden „mit stählernen Aussichtsplattformen, hölzernen Aussichtstürmen, Hängebrücken und zubetonierten Wanderwegen“, kritisiert der engagierte Natur- und Vogelkundler Dieter Moritz das Vorhaben des Tourismusverbandes, den Weitwanderweg Iseltrail durch bauliche Attraktionen weiter in Szene zu setzen. Outdoor-Sportarten sollten nach der Planung des TVB wohl die „öde heimatliche Natur endlich komplettieren“, und das alles nur zur „nachhaltigen Stärkung des Sommertourismus“, befürchtet Moritz. Für den Naturliebhaber steht fest: „Am Iseltrail ist die Natur leider nicht mehr unberührt. Die menschlichen Störungen sind einfach zu groß.“ Von Baumaßnahmen sollten nur noch Rückverbauungen zur Wiederherstellung eines ursprünglichen Flussbettes möglich sein, meint Moritz. „Noch ist die Isel zu retten.“

Auf vielen naturkundlichen Wanderungen habe er mit anderen Naturbewunderern und Naturkennern die Schönheit der naturbelassenen Abschnitte des Iseltales erleben können, sei mehrfach auch auf jenem beeindruckenden Wanderweg unterwegs gewesen, der heute „Iseltrail“ heißt und vom TVB seit dem Vorjahr entsprechend vermarktet wird. „Tourismus-Obleute lieben aufdringliche Werbesprüche“, kritisiert Moritz, dass der Osttiroler Tourismusverbandsobmann Franz Theurl gerne davon spricht, dass der Iseltrail „eingeschlagen“ habe „wie eine Bombe“.

„Wann aber erleben die Besucher bei ihrer sportlichen Fünftagestour noch Natur?“, fragt der besorgte Naturkundler Moritz. „Wann können sie Libellen oder Schmetterlinge beobachten, wann einen Blick in die Laichtümpel der Amphibien werfen, wann Walderdbeeren pflücken, wann eine Wasseramsel beim Tauchen beobachten? Lernen sie wirklich den Unterschied kennen zwischen Weidengebüsch und der besonders geschützten Tamariske? Haben sie noch Zeit für eine Fotosafari? Wann sollen einfach alle Wanderer Zeit gewinnen für die Schönheit unserer Natur?“ Die Tiroler Naturschutzlandesrätin Ingrid Felipe verteidigt die Investitionen: „Einzigartige Naturschätze wie die Isel und ihr Flussverlauf können wir schützen und nachhaltig in Wert setzen, wenn wir sie für viele Menschen erlebbar machen, die Menschen für den Naturraum sensibilisieren und die Besucherströme vernünftig lenken.“ (bcp)


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