Familie in Starnberg getötet: Mordprozess gegen Freunde beginnt

Ein Sohn tötet seine Eltern? Danach sah es zunächst aus für die Polizei. Doch die Ermittlungen brachten einen anderen Verdacht ans Licht. Zwei junge Männer stehen nun vor Gericht – wegen eines mutmaßlichen Dreifachmordes in Starnberg.

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Starnberg/München – Gut eineinhalb Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer Familie im oberbayerischen Starnberg beginnt am Montag (9.15 Uhr) der Mordprozess gegen zwei Verdächtige. Die 19 und 21 Jahre alten Männer müssen sich wegen Mordes, besonders schweren Raubes und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verantworten. Sie sind nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft München II für den Tod ihres 21-jährigen Freundes und von dessen Eltern verantwortlich.

Die Tat sollen sie geschickt kaschiert haben – die Ermittler hielten nämlich zunächst den Sohn für den Täter. Eine Polizeistreife hatte die Leichen der 60 Jahre alten Frau und ihres 64 Jahre alten Mannes sowie des Sohnes am 12. Jänner 2020 entdeckt, nachdem die Tochter sich Sorgen gemacht hatte. Alle drei Opfer starben durch einen Kopfschuss.

Motiv: Waffen

Direkt neben dem Sohn lag eine von zwei gefundenen Pistolen, was den Verdacht zunächst auf ihn lenkte. Doch Ermittlungen zu den Pistolen führten zu dem nun tatverdächtigen 21-Jährigen. Er war mit dem Sohn der getöteten Familie befreundet und hatte den Abend bei ihm verbracht. Als seine Wohnung durchsucht wurde, fanden die Ermittler eine Vielzahl an Waffen sowie Munition.

Bei seiner Festnahme gestand er nach früheren Angaben der Polizei die Tat. Sein 19-jähriger mutmaßlicher Komplize soll ihn zum Tatort gebracht und wieder abgeholt haben. Als Motiv für den mutmaßlichen Dreifachmord nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass die jungen Männer an Waffen kommen wollten, die ihr Freund illegal besaß.

Nach der Tat nahmen die beiden laut Anklagebehörde gemeinsam mehrere voll- und halbautomatische Schuss- sowie Kriegswaffen aus dem Besitz des getöteten Sohnes mit. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen auch zwei bewaffnete Raubüberfalle auf Verbrauchermärkte mit insgesamt einigen tausend Euro Beute vor.

Der Verteidiger des jüngeren, als Mittäter angeklagten Mannes äußerte starke Zweifel an der Version, die die Staatsanwaltschaft ihrer Anklage zugrunde legt. Die Ermittler hätten den Fall nicht umfassend genug untersucht, kritisierte Rechtsanwalt Alexander Stevens. Die Staatsanwaltschaft habe „ihre Wissenslücken mit viel Fantasie, statt mit Ermittlungsarbeit gefüllt“. Aus seiner Sicht wurden „nahe liegende Tatalternativen (...) gar nicht erst in Erwägung gezogen“.

Zig Varianten für die Tat

Es gebe zahlreiche Hypothesen, was sich an jenem Abend in dem Anwesen abgespielt haben könnte, sagte Stevens. „Genauso schnell, wie sich die Staatsanwaltschaft auf die Variante eines erweiterten Suizids festgelegt hat“, habe sie sich dann umentschieden. „Sich ein drittes Mal zu korrigieren, hält die Staatsanwaltschaft vermutlich für nicht opportun“, sagte der Anwalt. „Dabei gibt es zig Varianten, wie sich die Tat tatsächlich abgespielt haben könnte.“

So hielt er beispielsweise auch die ursprünglich angenommene Variante vom Sohn als Mörder seiner Eltern nach wie vor für möglich. Er sprach von Schmauchspuren, die an der Hand des toten Sohnes gefunden worden seien – und demnach aus seiner Sicht belegten, dass auch er geschossen habe.

Vor der Jugendkammer des Gerichts sind bislang 54 Prozesstermine angesetzt, ein Urteil könnte Mitte Jänner fallen. (dpa)


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