1G und Impfpflicht: Rom und Athen überlegen strengere Covid-Maßnahmen

Aufgrund steigender Corona-Fallzahlen steigt die Sorge, dass das Gesundheitssystem doch noch einmal an die Grenzen geraten könnte – und das, obwohl es eine Impfung gibt. Nun überlegen immer mehr Länder in Europa, die Maßnahmen für Ungeimpfte deutlich zu verschärfen. In Griechenland dürfte "1G" in vielen Bereichen im Herbst kommen, in Italien wird gar eine direkte Impfpflicht überlegt.

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Eine Frau wird mit dem Impfstoff von Moderna immunisiert.
© LOUISA GOULIAMAKI

Rom, Athen – Während hierzulande eine 1G-Regel (also der Zutritt nur für Geimpfte) in der Nachtgastronomie erwägt wird, gehen manche Länder Europas bereits mehrere Schritte weiter. In Italien spricht man von einer Impfpflicht, wenn nicht eine gewisse Zielmarke an Impfungen bis Mitte des kommenden Monats nicht erreicht sei. Auch in Griechenland will man nicht durch Ungeimpfte an den Rand eines neuen Lockdowns getrieben werden und will Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, den Zutritt zu geschlossenen Räumen im Freizeitbereich verwehren.

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Rom warnt: "Letzter Aufruf zu Impfungen"

Italien erwägt die Einführung einer Impfpflicht, sollte zu Herbstbeginn nicht eine Durchimpfungsrate von 80 Prozent der geimpften Bevölkerung erreicht worden sein. "Dies ist der letzte Aufruf zu Impfungen. Wenn wir bis zum 15. September die Schwelle von 80 Prozent der geimpften Bevölkerung nicht überschritten haben, müssen wir eine Form der Impfpflicht in Betracht ziehen", sagte Gesundheitsstaatssekretär Pierpaolo Sileri im Interview mit Tageszeitung La Stampa (Montag).

"Ich würde die Menschen im Alter von über 40 Jahren schützen. Wir können die normale Arbeit der Krankenhäuser nicht weiter verlangsamen", sagte Sileri. Seiner Meinung nach sollte die Durchimpfungsrate erhöht werden. "Wegen der Delta-Variante, die sich als wesentlich ansteckender erwiesen hat, sollten wir sie auf 80 Prozent der Bevölkerung erhöhen. Vielleicht sogar ein bisschen mehr", sagte Sileri.

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Eine Impfpflicht in Unternehmen überzeugt ihn hingegen nicht. "Für die Wirtschaft wäre eine Verlängerung des Grünen Passes sinnvoller als eine Impfpflicht", meinte der Staatssekretär. Der Grüne Pass müsse an den Verlauf der Pandemie gekoppelt und "extrem flexibel" sein, um "Schließungen und Einschränkungen zu vermeiden".

"Wenn die Zahl der Fälle unter den Geimpften steigt, weil die Durchimpfungsrate in den letzten Monaten gesunken ist, muss eine dritte Dosis verabreicht werden", erklärte Sileri. Zuvor sollen noch die Daten geprüft werden.

Athen: Keine Rücksicht mehr auf Ungeimpfte

Die griechische Regierung hat erneut deutlich gemacht, dass im Herbst beim Corona-Krisenmanagement keine Rücksicht auf Ungeimpfte genommen werden soll. Leider lehnten manche Mitbürger die Corona-Impfung ab, sagte der griechische Regierungssprecher Giannis Oikonomou am Montag in Athen. Die Gründe dafür seien bekannt, würden aber weder von der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch von der Mehrheit der Bürger oder von der Regierung selbst akzeptiert.

"Die Gesellschaft kann nicht warten und vor allem nicht von solchen Auffassungen in Geiselhaft genommen werden", sagte Oikonomou. Am Dienstag will die griechische Regierung neue Corona-Maßnahmen für den Herbst bekanntgeben. Angesichts steigender Infektionszahlen ist Athen im Zugzwang; die Regierung hatte aber immer wieder betont, keinen neuen Lockdown veranlassen zu wollen. Stattdessen soll Ungeimpften der Zugang zu geschlossenen Räumen im Freizeitbereich verwehrt werden. Clubs, Diskotheken, Kinos, Theater und die Gastronomie könnten also ohne Impfnachweis kaum besucht werden.

In Griechenland gibt es bereits eine Impfpflicht für Beschäftigte in der Pflege, im Gesundheitssektor und beim Militär. Wer sich nicht impfen lässt, wird in diesen Bereichen ohne Gehalt freigestellt. Im Bildungsbereich wird bisher von einer Impfpflicht für Lehrende abgesehen. Lehrer und Professoren müssen sich stattdessen zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen. (TT.com, APA, dpa)


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