Plus

Regisseur Christian Schwochow: „Ich fürchte, nicht alles ist Fiktion“

In „Je suis Karl“ erzählt Christian Schwochow von der Verführungskraft einer rechtsradikalen Jugendbewegung. Am Mittwoch kommt der Thriller beim Filmfestival Kitzbühel zur Österreichpremiere. Der Regisseur im Interview.

  • Artikel
  • Diskussion
Ein Anschlag zerstört eine Familie. Der Vater (Milan Peschel) verliert sich in Trauer. Die Tochter (Luna Wedler) findet durch politisches Engagement zurück ins Leben. Karl (Jannis Niewöhner), Wortführer der Bewegung „re/generation europe“, wird für sie zur wichtigsten Bezugsfigur. Worauf sie sich einlässt, dämmert ihr erst spät. „Je suis Karl“ ist kein subtiler Film, sondern eine packend inszenierte und durchwegs stark gespielte Warnung. Nach der Österreichpremiere am Mittwoch, 21 Uhr, beim Filmfestival Kitzbühel (www.ffkb.at) kommt „Je suis Karl“ am 17. September regulär ins Kino.
© Filmladen

„Je suis Karl“ handelt von einer rechtsradikalen Jugendbewegung, die – zumindest auf den ersten Blick – wenig mit dem gängigen Neonazi-Bild zu tun hat. Da kommt einem die so genannte „Identitäre Bewegung“ in den Sinn. Was hat Sie an diesem Thema gereizt?

Christian Schwochow: Schon als ich mit Anfang Zwanzig als Fernsehreporter gearbeitet habe, habe ich mich intensiv mit Rechtsextremismus beschäftigt. Wirklich losgelassen hat mich das Thema seither nicht. Besonders interessant wird es für mich, wenn die Rechten die Eindeutigkeitszone verlassen. Wenn man sich mit Jugendkultur und Jugendsubkultur auseinandersetzt, stellt man schnell fest, dass es in den verschiedensten Szenen rechte Bewegungen gibt. Für den Film „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ (2016) haben mein Drehbuchautor Thomas Wendrich und ich auch den Prozess gegen Beate Zschäpe verfolgt. Auf der Zuschauertribüne saßen junge Leute, die ganz offensichtlich Anhänger von Zschäpe waren, aber überhaupt nicht wie Nazis ausschauten. Die waren modisch und hip – und hätten genauso gut auch Barkeeper in Friedrichshain sein können. Wir haben recherchiert – und schnell eröffnete sich ein unfassbar breites Angebot an europäischen Jugendkulturen, die offensichtlich erkannt haben, dass das ganze Glatzen-Springerstiefel-Bomberjacken-Ding nur begrenztes Wachstum hat. Sie haben sich andere Bewegungen angeschaut und deren Artwork und Slogans für ihre Zwecke umformuliert.

Das klingt nach Stoff für einen Dokumentarfilm. Warum haben Sie es zu einem Thriller verdichtet?


Kommentieren


Schlagworte