Wasserschweine werden als Vertreter des Klassenkampfs gefeiert

In einem luxuriösen Wohnviertel nördlich von Buenos Aires sind Hunderte Wasserschweine eingefallen. Die Tiere wurden in der tief gespaltenen Gesellschaft zum Politikum.

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Das Wasserschwein ist das größte heute noch lebende Nagetier und wird bis zu 1,30 Meter lang und 60 Kilogramm schwer.
© pixabay

Buenos Aires – Sie verwüsten Gärten, verursachen Verkehrsunfälle und sollen sogar schon Hunde gebissen haben: Wasserschweine sind in Argentinien zu Vertretern des Klassenkampfes geworden.

Der Hintergrund: Die großen Nager sind in eine Luxus-Wohnsiedlung nördlich der Hauptstadt Buenos Aires eingefallen. Das vor einigen Jahren für die Reichen gebaute Wohnviertel Nordelta liegt in den Feuchtgebieten des Paraná-Flusses – und damit im natürlichen Lebensraum der Carpinchos, wie die Tiere in Argentinien genannt werden. Hunderte der Nager sorgen dort nun für Chaos – was bei Kritikern der abgeschotteten Anlage für Applaus sorgt.

Population explodiert

Nach Angaben der Anwohner ist die Population der Wasserschweine zuletzt explodiert. Da sie auf den öffentlichen Grünflächen des von Seen und Kanälen durchzogen Wohnviertels nicht mehr genug Nahrung finden, würden sie nun auch in die Gärten eindringen. „Ich finde die Wasserschweine toll, als ich das erste Mal eines gesehen habe, war ich sehr froh“, sagte Bewohner Gustavo Iglesias der Zeitung La Nación. „Das Problem ist, dass sie sich unkontrolliert vermehren, weil sie hier keine natürlichen Feinde haben.“

„Revolutionäre“ werden im Netz gefeiert

Einem großen Teil der argentinischen Gesellschaft sind „Gated Communities“ wie Nordelta ein Dorn im Auge, spiegeln die abgeschotteten Siedlungen doch die Klassenunterschiede in den einzelnen Regionen wieder. Auf Social Media wird die Invasion der Carpinchos deshalb von vielen gefeiert, stellenweise werden die Tiere gar als Revolutionäre gepriesen. Der populäre Aktivist Juan Grabois schrieb auf Twitter: „An der Seite der Carpinchos – immer bis zum Sieg.“

Die Linke sieht in der Invasion einen Rachefeldzug der Natur gegen die begüterten Eindringlinge. „Das ist die Quittung“, sagte Sicherheitsministerin Sabina Frederic zuletzt im Radio.

Gründe für Invasion noch unklar

Warum die Wasserschweine Nordelta überlaufen, ist noch unklar. Die wahrscheinlichste Begründung ist wohl, dass der Paraná-Fluss derzeit aufgrund von Trockenheit wenig Wasser führt und es die Tiere auf der Suche nach Trinkbarem in die Stadt getrieben hat.

Der Nachbarschaftsrat von Nordelta will das Nagetier-Problem nun friedlich lösen. „Wir wollen die Wasserschweine nicht ausrotten, aber wieder ein Gleichgewicht herstellen, in dem niemand um seine Sicherheit fürchten muss“, heißt es in einer Stellungnahme der Anwohner. (TT.com, dpa)


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