Die Musikwelt trauert um Rolling-Stones-Drummer Charlie Watts

Charlie Watts verstarb am Dienstag in einem Londoner Krankenhaus. Der legendäre Schlagzeuger wurde 80 Jahre alt. Die Musikwelt trauert um "einen der Größten".

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Charlie Watts verstarb im Alter von 80 Jahren.
© imago stock&people

London – Charlie Watts, legendärer Schlagzeuger der Rolling Stones, ist tot. Wie britische Medien unter Berufung auf seinen Londoner Agenten Bernard Doherty berichten, verstarb der 80-Jährige am Dienstag in einem Londoner Krankenhaus.

"Mit großer Trauer geben wir den Tod unseres lieben Charlie Watts bekannt. Er verstarb friedlich in einem Londoner Krankenhaus umgeben von seiner Familie. Er war ein geliebter Ehemann, Vater und Großvater und als Mitglied der Rolling Stones einer der größten Drummer seiner Generation", hieß es in der Mitteilung.

Anfang August war bekannt geworden, dass Watts sich einer schweren Operation unterziehen musste. Den Eingriff habe er aber gut überstanden, hieß es damals. Um welche Erkrankung es sich handelte, wurde nicht bekannt. Bei der ab September geplanten US-Tour wäre er deshalb nicht dabei gewesen. "Einmal in meinem Leben war mein Timing etwas daneben", wurde Watts zitiert. Er werde den Ratschlag der Mediziner beherzigen und habe akzeptiert, dass seine Erholung eine Zeit lang dauern werde. Rechtzeitig zum 60. Jahresjubiläum der Gruppe wollte er wieder dabei sein.

"Wir bitten darum, die Privatsphäre seiner Familie, seiner Bandmitglieder und den engen Freunden in dieser schweirigen Zeit zu respektieren", hieß es abschließend in der Erklärung am Dienstag.

📽️ Video | Schlagzeuger der Rolling Stones Charlie Watts ist tot

Watts erblickte am 2. Juni 1941 in London das Licht der Welt. Mit zehn entdeckte er Platten von Miles Davis und John Coltrane, und damit seine Liebe zum Jazz und Blues: "Ich habe Charlie Parker immer bewundert, bis heute" sagte Watts einmal dem britischen Blatt Daily Telegraph. "Aber der Erste, dessen Spiel ich bewusst gehört habe, war Baritonsaxofonist Gerry Mulligan, und das Stück war "Walking Shoes" mit Chico Hamilton am Schlagzeug. Deshalb wollte ich Schlagzeug spielen."

Der junge Watts montierte von einem alten Banjo den Hals ab und bespannt es mit einem Trommelfell: Der Beginn einer jahrzehntelangen Schlagzeugerkarriere mit diversen Jazz-, Blues- und Boogie-Woogie-Formationen – und eben den Rolling Stones.

Die Rolling Stones zu Beginn ihrer Karriere 1963.
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Weil sich keiner mehr erinnern kann, wie alles anfing, hat man sich als Gründungstermin auf den ersten Auftritt der Band im legendären Londoner Marquee-Club am 12. Juli 1962 geeinigt. Charlie Watts kam erst ein halbes Jahr später dazu, am 12. Jänner 1963 im Ealing Blues Club. Er hatte einen gut bezahlten Job als Grafiker in einer Werbeagentur und ließ sich erst ködern, bei den Stones einzusteigen, als sie mit ihren Auftritten Geld verdienten.

Im Gegensatz zu Mick Jagger und Keith Richards vermied Watts das Rampenlicht. Als Jazzmusiker wusste er musikalische Kollaboration zu schätzen und schweißte die Band zusammen – nicht nur, wenn er den Rhythmus auf der Bühne vorgibt, sondern auch wenn sich Jagger und Richards über Jahre hinweg immer wieder verkrachten.

Watts hatte auch harte Jahre hinter sich – mit Alkohol oder auch Heroin. 2004 überstand der frühere starke Raucher eine Kehlkopfkrebserkrankung. Seit 1964 war der Drummer mit derselben Frau verheiratet, der Künstlerin Shirley Watts, mit der er eine erwachsene Tochter hat. Sie lebten auf einem Gestüt in der Grafschaft Devon und züchteten professionell Araberpferde.

Doch das Rockerleben ließ ihn nicht los: Nach jeder Tour versuche er sich zurückzuziehen, gestand Watts der Times mit 75. Keith Richards frage ihn, was er dann tun werde. "Ich weiß nicht, Rasenmähen? Also setze ich mich nicht zur Ruhe."

📽️ Video | The Rolling Stones - Sympathy For The Devil

Der Tod des Schlagzeugers Charlie Watts hat in der Musikwelt große Trauer ausgelöst. Seine Bandkollegen Mick Jagger und Keith Richards veröffentlichten in der Nacht auf Mittwoch auf Twitter nur jeweils ein Foto - ohne weitere Anmerkungen: Sänger Jagger präsentiert eines von einem lachend hinter dem Schlagzeug sitzenden Watts, Gitarrist Richards eines von einem Drumset, an dem ein Schild mit der Aufschrift "Geschlossen" hängt.

Schriftlich zu Wort gemeldet hat sich als erster der noch lebenden Bandkollegen des gestorbenen Rolling-Stones-Schlagzeugers Charlie Watts Gitarrist Ronnie Wood. "Ich liebe dich", schrieb er am Mittwoch auf Instagram und postete dazu ein Foto, das ihn mit Watts zeigt, mit dem er sich auch über das gemeinsame Sternzeichen Zwilling verbunden fühlte, wie aus dem Eintrag hervorgeht. Er fügte hinzu: "Ich werde dich sehr vermissen - du bist der Beste".

Musikerkollegen trauern über Twitter

Viele weitere Musikerkollegen drückten über Twitter ihre Bestürzung aus. "Charlie war ein Fels in der Brandung" und ein "fantastischer Schlagzeuger", sagte Ex-Beatle Paul McCartney in einem Video, das er auf Twitter veröffentlichte. Auch dessen früherer Bandkollege Ringo Starr twitterte ein Foto von ihm und Watts und schrieb: "God segne Charlie Watts, wir werden dich vermissen, Mann."

Brian Wilson von den Beach Boys zeigte sich über das Ableben Watts schockiert. Er habe "die Musik der Stones geliebt." Für Sängerin Sheryl Crow starb ein Held, der ein "klaffendes Loch im Universum" hinterließ.

Rocksänger Bryan Adams bezeichnete Watts als "einen der größten Rock-Schlagzeuger aller Zeiten". Der Drummer galt als einer der bestgekleideten Rockstars. Der britische Popstar Elton John würdigte ihn nach der Todesnachricht als "stylischsten Mann und brillante Gesellschaft."

Lenny Kravitz bewunderte auf Twitter den "Beat" der Stones. "Es gibt keine Worte, jeder Groove hat für sich selbst gesprochen." Für Queen-Schlagzeuger Roger Taylor war Watts das "makellos schlagende Herz der Rolling Stones." Duran Duran ehrte ihn als einen Mann mit "Anmut, Stil, Würde und Gelassenheit."

Weitere Anteilnahmen aus der Musikwelt kamen von Sänger Alice Cooper, Oasis-Star Liam Gallagher und The Who-Frontman Roger Daltrey, der Watts musikalisches Wissen über Schlagzeugtechnik, vom Jazz bis zum Blues bewunderte. Auch die Rock & Roll Hall of Fame ehrte den verstorbenen Musiker auf Twitter: "Kraftvoll und doch unaufdringlich konnte er swingen, shuffeln und rocken zugleich - und trieb die Band bei 'Satisfaction' kraftvoll an. (...). Mit solidem Timing und unvergleichlichem Gefühl definierte Watts das Schlagzeug - und den Rock an sich - in der 'weltweit größten Rock & Roll Band'."

Der österreichische Kultvideoregisseur Rudi Dolezal schrieb auf Twitter: "Er war der Gentleman der Rolling Stones. Ich hatte das Privileg, mit ihm zu arbeiten – er war ein sehr, sehr feiner Mensch." (TT.com, APA/dpa)


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