„Pastorelle en musique“: Ringelpiez mit Anfassen zu honigsüßer Tanzmusik

Schäfer sucht Schäferin bei Telemanns „Pastorelle en musique“ zum Abschluss des Opernangebots bei den Innsbrucker Festwochen.

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Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf. Caliste (Lydia Teuscher, sitzend), umringt von ländlichen Einflüsterern.
© Birgit Gufler

Von Markus Schramek

Innsbruck – Männer, aufgepasst! Hier kommt die Erkenntnis eines quietschvergnügten Opernabends, von der letzten Festwochen-Premiere vorgestern im Haus der Musik: Auch mit der Mitleidsmasche lässt sich das Herz einer Frau erobern.

Kein Witz! Denn solches glückt dem amourösen Schwerenöter Damon in Georg Philipp Telemanns „Pastorelle en musique“, einem treffend so untertitelten musikalischen Hirtenspiel. Damon schmettert Herzdame Caliste liebesschwülstige Verse entgegen, er bemüht den Tod von eigener Hand als Druckmittel, macht (in Tirol völlig undenkbar!) gar nichts richtig, sondern alles falsch – bis sie sich doch, mit ein bisschen Hilfe von Liebesgott Cupido, seiner erbarmt. Schöne heile Welt des Barock.

Klar ist das kein vertontes Shakespeare-Drama, sondern Unterhaltung extra leicht. Telemann schickte anno dazumal (um 1720) Hirten und -innen im Liebestaumel zur Bespaßung einer betuchten Frankfurter Hochzeitsgesellschaft auf die Bühne. Textlich lehnte sich der Komponist bei Molière an, so kommt mancher Gesang zweisprachig daher, auf Deutsch und en français.

Das Bilinguale soll dem Geturtel im bukolischen Milieu wohl eine besondere (erotisierende?) Note verpassen. Außer Gesang passiert auf der idyllisch behübschten Bühne allerdings herzlich wenig. Es wird viel gefuchtelt, manches Bein und Becken im Takt gewiegt oder einfach nur gestanden. Bariton Florian Götz als liebeskranker Damon erstarrt gerne zur regungslosen, leicht verrenkten Salzsäule.

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Das tatsächlich Wahre dieses Abends ist die Musik. Telemann hat sich schönste Melodeien (kein Tippfehler!) einfallen lassen, honigsüßen Klangnektar, zubereitet von Streichern und Bläsern auf historischem Gerät. Das Ensemble 1700 unter Dirigentin Dorothee Oberlinger versetzt das Haus in träumerisches Schwelgen. Schon die epochal ausgebreitete Ouvertüre ist ein Konzert für sich.

Auch unter den sängerischen Interpreten gibt es Gänsehaut-Auslöser, zuvorderst die beiden Sopranistinnen: Lydia Teuscher (als Caliste) und, in der Rolle von Schäferin Iris, Marie Lys ernten mit herzerweichenden Arien verdient Szenenapplaus. Wacker schlägt sich Countertenor Alois Mühlbacher als Amyntas, der Iris mit kluger Strategie für sich gewinnt. Florian Götz bleibt auch gesanglich blass.

Final findet dann fast jeder Topf sein Deckelchen. Das formidable Vocalconsort Berlin darf noch einmal mehrstimmig loslegen. Alle haben sich lieb, es gibt einen Ringelpiez mit und ohne Anfassen, jeder nach seinem Geschmack, chacun à son goût.

Und wer das alles gar nicht so genau sehen muss, der schließt einfach die Augen und genießt die Musik.

Weitere Termine: 25. und 26. August im Haus der Musik. www.altemusik.at


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