Tiefpunkt mit 2300 Erstimpfungen, Bund und Länder für 1G-Regel

Platter und Kurz sehen in der 1G-Regel für die Nachtgastro den einzigen Ausweg, sollte sich Impfniveau unter den Jüngeren nicht erhöhen. Die EU solle einheitliche Kriterien zum Infektionsgeschehen schaffen.

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Vom ersten Stich ein Selfie: Leider hat sich das Impftempo in Österreich extrem verlangsamt.
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Innsbruck – Das Impftempo ist in den vergangenen Tagen in Österreich rasant gesunken, selbst die niederschwelligen Impfangebote in der Vorwoche in 26 Tiroler Gemeinden blieben hinter den Erwartungen. Am Montag wurden österreichweit nur 8172 Menschen geimpft, darunter waren lediglich 2293 Erstimpfungen. In der vergangenen Woche meldeten die Behörden noch durchschnittlich 18.378 Stiche täglich.

Zugleich hat sich die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen bei rund 1000 eingependelt. Gestern gab es 1002 neue Corona-Fälle in Österreich, in Tirol waren es 89. Das erlahmende Impftempo bereitet der Politik, aber auch den Experten massives Kopfzerbrechen. Schließlich fällt in einigen Wochen der saisonale Effekt durch den Sommer weg.

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Der Infektiologe Herwig Kollaritsch sieht deshalb „zunehmend weniger Spielraum“, in gewissen Bereichen nicht auf die 1-G-Regel (nur Geimpfte) umzusteigen. Aufgrund zahlreicher Impfskeptiker, die kaum über Aufklärung erreichbar seien, werde es ohne Eingreifen seitens der Politik nicht zu einer Verbesserung der aktuellen Corona-Situation kommen können, sagte das Mitglied des nationalen Impfgremiums am Dienstag.

Die Politik reagiert ebenfalls. Beim gestrigen Gespräch zwischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) und Tirols Landeshauptmann Günther Platter, der aktuell als Vorsitzender für die Landeshauptleutekonferenz spricht, standen die Vorbereitungen für den Herbst ebenfalls im Vordergrund. Und dabei die 1-G-Regel. Sollte sich das Impftempo insbesondere bei jüngeren Menschen nicht erhöhen, können sich Kurz und Platter im Herbst die Einführung der 1-G-Regel in der Nachtgastronomie vorstellen. „Als eine mögliche Maßnahme in diesem Bereich könnte die 1-G-Regel gelten, um jedenfalls zu verhindern, dass unsere Krankenhäuser im Herbst und Winter wieder in eine Situation wie im vergangenen Jahr kommen“, sagte Platter.

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📊 Grafik | Geimpfte Personen nach Bundesländern

Der aktuelle Impffortschritt reicht bei Weitem noch nicht aus. Darin sind sich Bund und Land einig. Österreichweit sind erst 57,4 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. In Tirol sind derzeit 68,2 Prozent der impfbaren Bevölkerung erstgeimpft und 63,7 Prozent vollimmunisiert. In den Ländern wird jetzt versucht, auf allen Ebenen niederschwellige Impfaktionen anzubieten. Vorarlberg wird zur Steigerung der Corona-Impfquote ab September auch in den drei größten Einkaufszentren des Landes Impfungen anbieten.

Laut LH Günther Platter ließen sich in Tirol seit Beginn des Impfens ohne Anmeldung Anfang Juli 63.000 impfen. „Es ist auch geplant, weitere niederschwellige Impfmöglichkeiten in stark frequentierten Einrichtungen anzubieten, um noch mehr Menschen zu erreichen“, hat Platter ähnliche Vorstellungen wie sein Amtskollege Markus Wallner in Vorarlberg.

📊 Grafik | Geimpfte Personen nach Altersgruppen

Der Kurswechsel in der Corona-Politik in Deutschland wird indes in Österreich allgemein begrüßt. Künftig geht es nicht mehr um die Neuinfektionen innerhalb einer Woche (Sieben-Tage-Inzidenz), sondern der Blick wird auf die Situationen in den Spitälern gerichtet.

Kurswechsel begrüßt

Der bisherige Inzidenzwert von 50 – durchschnittlich 50 Fälle pro Tag in sieben Tagen auf 100 000 Einwohnern gerechnet –, wird von der deutschen Bundesregierung gestrichen, weil sich durch die Impfungen die Lage verbessert hat. Platter ist froh, dass sich Deutschland von dieser Strategie verabschiedet – aber: „Für die weitere Pandemie-Entwicklung muss es für uns alle von Interesse sein, dass es EU-weit möglichst einheitliche Kriterien zur Beurteilung des Infektionsgeschehens gibt. Diese fordern wir von der Europäischen Kommission ein.“ (pn)


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