Wetter und Strecke: Zwei Unbekannte beim 40. Ötztaler Radmarathon

Am Sonntag (6.45 Uhr) ist je nach Eigenwahrnehmung beim 40. Ötztaler Radmarathon Stehvermögen oder Sitzfleisch gefordert. Die Fragezeichen: Wetter und Strecke.

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Die Hoffnung auf einen niederschlagsfreien Klassiker lebt, kühl wird es beim 40. Ötztaler Radmarathon allemal.
© Ötztal Tourismus/Ploner

Von Florian Madl

Innsbruck, Sölden – Wer sich einmal der Herausforderung Ötztaler Radmarathon (238 km/5500 HM) stellte, kennt die bangen Momente vor dem Start um 6.45 Uhr. Einige Fragen:

Wo positioniere ich mich vor einer Abfahrt, in der manche bis Oetz einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen wollen, um bei der anschließenden Auffahrt gemütlich die erste Banane zu essen?

Auf welches Wetter stelle ich mich ein – es könnte schließlich auch am kommenden Sonntag so manchen Gruß von oben geben?

Rasant geht es früh am Morgen von Sölden Richtung Oetz.
© Lorenzi

Felssturz zwingt zum Rochieren

Diesmal erwartet die Teilnehmer eine weitere Überraschung, die spätestens bei der obligaten Fahrerbesprechung zu allen durchgedrungen sein sollte: Auf welche Strecke können wir uns einstellen? Ein Felssturz oberhalb von Oetz zwingt die Verantwortlichen zum Rochieren, derzeit stehen zwei Varianten zur Debatte: jene durchs Inntal und jene über den Haiminger Sattel. „Bis Donnerstag müssen wir das entschieden haben, es ist behördenabhängig“, erklärte gestern Organisationschef Dominik Kuen. Wahrscheinlicher ist Variante zwei, was die Jubiläums-Ausgabe zu einer besonderen machen würde. Die Strecke wäre zehn Kilometer länger und um 200 Höhenmeter reicher.

Kuen weiß: „Der Ötztaler wird jedenfalls um nichts schlechter.“ Dass es überhaupt ein „runder Ötztaler“ ist (der 40. Ötztaler), wissen Gründerväter wie Ernst Lorenzi zu erklären: Zwar musste das 1982 uraufgeführte Rennen im Vorjahr aufgrund der Pandemie ausgelassen werden, allerdings kam es 1996 zu zwei Auflagen. Und Statistiker wie der Hobby-Fotograf sind es auch, die mit besonderen Randnotizen aufwarten können:

„Wiederholungstäter“: 20 Teilnehmer aus dem Starterfeld nehmen bereits seit über 20 Jahren teil. Besonders erwähnenswert ist laut dem Veranstalter der Steirer Martin Strobl (Jahrgang 1945), der seinen 31. Radmarathon in Angriff nimmt.

Deutsches Heimspiel: Die Nationenstatistik führt Deutschland mit 2225 Teilnehmern an, dahinter folgen Österreich (750), Italien (570), die Schweiz (127) und die Niederlande (103).

„Rad-Amazonen“: Zu den 4023 Teilnehmern (32 Nationen) des Tourismus-Klassikers zählen 246 Frauen. Und die Historie belegt, dass eine Ötztaler-Teilnahme durchaus zu Großtaten befähigen kann: Die österreichische Sensations-Olympiasiegerin von Tokio, Anna Kiesenhofer, landete beim Ötztaler Radmarathon 2018 auf dem zweiten Platz.

Covid-Vorsicht: Für alle, egal ob Teilnehmer, Helfer oder Zuschauer, gilt die 3-G-Regel. Die Fahrerbesprechung mit Informationen zu Strecke und Wetter erfolgt diesmal per Livestream über „Ötztaler Radmarathon TV“ und auf TT.com

Prominenz: Nicht weniger als neun ehemalige Sieger sind am Start. Doch auch Sieger aus anderen Bereichen des Sports befinden sich im Feld, etwa Leute wie Biathlon-Weltmeister Dominik Landertinger (Hochfilzen) oder der ehemalige Ö-Tour-Sieger Thomas Rohregger (Kramsach).

Favoriten-Frage: Der Vorarlberger Rekordhalter Mathias Nothegger zählt zum erweiterten Kreis der Sieganwärter, zumal ihn im März ein schwerer Unfall mit Rippenbrüchen und einem Loch in der Lunge aus der Bahn warf. „Aber egal, ich freue mich riesig.“ Weitere Kandidaten: der ehemalige Tour-de-France-Starter Johnny Hoogerland (NED), Eliminator-Weltmeister Daniel Federspiel sowie MTB-Weltmeister Alban Lakata (beide Tirol).

40. Ötztaler Radmarathon

Freitag:

  • 10 bis 20 Uhr: Startpaketausgabe, Sporthalle Freizeit Arena; Bike Expo "Ötztaler Sattelfest"

Samstag:

  • 9 bis 20 Uhr: Startpaketausgabe, Sporthalle Freizeit Arena, Bike Expo
  • 19.30 Uhr: verbindliche Fahrerbesprechung (via ÖRM TV, letzte Wetterinfos, Straßenzustandsbericht)

Sonntag:

  • 6.45 Uhr: Start bei BP Tankstelle
  • 14 bis 22 Uhr: Ausgabe Finisher Trikot &Chiprückgabe, Sporthalle Freizeit Arena
  • 20.45 Uhr: Siegerehrung im Ziel

Labestationen: Kühtai nach KM 49,0 Brenner nach KM 121,5 Jaufenpass nach KM 153,0 Schönau nach KM 191,5 Timmelsjoch nach KM 196,0

Pässe: Oetz -Kühtai (18 km, Höhenunterschied 1200 m) Innsbruck - Brenner (37 km/777 m) Sterzing -Jaufenpass (15,5 km/ 1130 m) St. Leonhard -Timmelsjoch (29km/1724 m)

Ötztaler Radmarathon TV: Am Rennwochenende werden Livebilder vom Rahmenprogramm, vom Rennen und der Siegerehrung geliefert, am Samstag zudem vom Fahrer-Briefing. Alle Videos sind unter oetztaler-radmarathon.com/livestream abrufbar.

Besonderheiten:

  • Rekord: 6:47:02 Std (Mathias Nothegger, AUT/2019) bzw. 7:42:29 (Laila Orenos, SUI/2016)
  • Kuchenstücke: 9500 (von den Helfern gebacken). Serpentinen: 66 liegen auf der 238 Kilometer langen Original-Strecke (5500 Höhenmeter).
  • Höchster Punkt: Timmelsjoch (2474 m Seehöhe)
  • Energiezehrend: 9000 Kalorien Premiere: 1982 gingen 115 Hobbysportler an den Start.
  • Bewerbungen: 20.000 Bewerbungen für 4000 Startplätze

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