40. Ötztaler Radmarathon: Ein Traum mit klammen Fingern

2751 der über 4000 Gemeldeten wagten sich am Sonntag an den Ötztaler Radmarathon. Das Wetter hielt besser als befürchtet, längere Strecke und tiefe Temperaturen forderten alle rund um Sieger Johnny Hoogerland.

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Auch mit weniger Teilnehmern war am Start in Sölden mit insgesamt 2751 Teilnehmern viel los – Ex-Radprofi Johnny Hoogerland (NED) siegte ...

Von Roman Stelzl

Sölden – Im Zielraum konnte sich Johnny Hoogerland kaum noch auf den Beinen halten, als ihm der Siegerkranz um den Hals gehängt und Sponsorgetränk in die Hand gedrückt wurden. „Es war ein Traum“, verneigte sich der 38-Jährige niederländische Ex-Profi verbal am Sonntag vor der 40. Auflage des Ötztaler Radmarathons. Und der Vuelta-Zwölfte von 2009 sprach damit nicht nur das Renn-Motto („Ich habe einen Traum“) nach, sondern auch für jene 2751 unter den mehr als 4000 gemeldeten Teilnehmern, die sich trotz Prognose an das Abenteuer wagten.

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Die Schleusen über Sölden und dem Großteil der Strecke hatten dichtgehalten, und auch wenn das Thermometer zum morgendlichen Start nur fünf Grad anzeigte, war vom gefürchteten Winterwetter bis in den Nachmittag hinein nur wenig zu sehen. Viele der Radsportler, die vor dem Start um 6.30 Uhr umdrehten oder lieber im warmen Hotelbett blieben, dürften sich geärgert haben, als Hoogerland nach 7:21:21,0 Stunden mit ausgestreckten Armen als Erster wieder in Sölden einfuhr.

„Ich war nie wirklich am Limit“

„Das war ein toller Tag für mich. Ich war nie wirklich am Limit. Am Timmelsjoch habe ich mir gedacht: Alles raus!“, blickte der Wahl-Kärntner zurück. Nicht irritieren sollte dabei die ungewohnt lange Fahrzeit: Der „Rekord-Ötzi“ in 6:47:02 Stunden war nicht wegen des Wetters, sondern aufgrund der verlängerten Strecke unerreichbar. Ein Felssturz hatte eine Umfahrung über Haiming und das Sattele notwendig gemacht – die offiziell 238 Kilometer lange Strecke mit 5500 Höhenmetern bekam so noch um 10 km (250 Hm) Zuwachs.

so wie die Deutsche Christina Rausch.

Am Ende war es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. All jene, die an der Startlinie standen, waren ohnedies schon der harte Kern, und auch wenn im Ziel viele klamme Finger und kalte Zehen dabei waren, überwog die Freude. So auch bei Ex-Biathlon-Weltmeister Dominik Landertinger, der sich wenige Tage nach seiner Hochzeit zum ersten Mal dem Ötztaler stellte. In 9:01:03,3 Stunden kam der 33-jährige Hochfilzener als 190. ins Ziel. „Ich war am Limit und bin ganz schön fertig. Das Timmelsjoch war abartig, ich konnte nicht mehr zusetzen. Wenn das Wetter schlecht gewesen wäre, wäre es richtig zach geworden“, meinte Landertinger.

Mit dem Ötztaler zu kämpfen hatte auch Fabian Costa, als Sechster in 7:37:53,01 bester Tiroler und zweitbester Österreicher nach dem zweitplatzierten Kärntner Hans-Jörg Leopold. „Ich bin einfach nur happy, im Ziel zu sein. Ich habe mich auf Schwierigeres eingestellt, jetzt bin ich unglaublich froh, dass es so ausgegangen ist“, meinte der 26-jährige Haiminger, der noch im Juni Elfter bei der österreichischen Rennrad-Meisterschaft geworden war.

Mit ihm kam der Brixentaler Patrick Hagenaars als Siebenter in Sölden an. „Ich bin selten so eingegangen wie heute und bin heilfroh, im Ziel zu sein“, meinte der frühere Kombinierer, der 2003 seinen linken Arm verloren hatte. Bei den Damen siegte die Deutsche Christina Rausch. „Wir sind zufrieden und ziehen trotz allem positiv Bilanz. Und das Wetter war viel besser als es angekündigt war“, sagte OK-Chef Dominic Kuen.

🚵‍♂️ 40. Ötztaler Radmarathon (offiziell 238 km/5500 Hm

Herren: 1. Johnny Hoogerland (NED) 7:21.21,0 Std., 2. Hans-Jörg Leopold (AUT) 7:28.26,8, 3. Mattia De Marchi (ITA) 7:28.27,4, 4. Fabio Cini (ITA) 7:34.25,7, 5. Robert Petzold (GER) 7:36.53,0, 6. Fabian Costa (AUT) 7:37.53,1, 7. Patrick Hagenaars (AUT) 7:37.53,8, 8. Stefano Bonanomi (ITA) 7:41.54,0, 9. Martin Ludwiczek (AUT) 7:45.04,3, 10. Riccardo Barbieri Riccardo (ITA) 7:46.00,2; 16. Philip Handl (AUT) 7:49.12,9.

Damen: 1. Christina Rausch (GER) 8:15.20,0, 2. Veronika Weiss (GER) 8:50.29,6, 3. Bianca Somavilla (AUT) 8:52.03,8, 4. Ils van der Moeren (BEL) 9:03.10,5, 5. Monika Dietl (GER) 9:05.06,5.

➡️ Die Strecke

Weitere Infos: oetztaler-radmarathon.com


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