Tradition Müller-Handwerk: Jerzens brachte den (Mühl-)Stein ins Rollen

Im Pitztal war man bereits in den 80er-Jahren um den Erhalt der Mühlen bemüht. Der „Brotback-Mittwoch“ hat sich bis heute erhalten.

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Mit viel Liebe backt Carmen Plattner noch am 1. und 8. September Brot im Backofen in Jerzens. Die „Leabelen“ gehen weg wie warme Semmeln.
© Glatzl

Von Thomas Parth

Jerzens, Haiming – Die Mühlenfreunde unter ihrem Tiroler Landessprecher Johann Glatzl aus Haiming sind um den Erhalt des Müller-Handwerks sowie alter Mühlen bemüht. Den Spruch, dass „Gottes Mühlen langsam, aber fein mahlen“, kann Glatzl bestätigen, führte ihn sein Weg doch jüngst ins Pitztal.

In Jerzens wurde bereits in den 1980er-Jahren die alte Mühle erhalten. Der Tourismusverband und die Gemeinde kümmerten sich ums Brotbacken und um die Mühle. Das wöchentliche Mahlen und Backen wurde rasch zum lokalen „Event“, welches nicht nur bei Touristen, sondern besonders bei Einheimischen auf große Gegenliebe stieß. „Damit gaben die Jerzener die Initialzündung“, bestätigt Johann Glatzl. Mittlerweile hat man sich im ganzen Oberland der alten Tradition besonnen und Mühlen in Piburg, Huben, Pfunds, Fiss, Ladis und Silz restauriert oder wieder neu aufgebaut.

„Der alte, wasserbetriebene Mühlgang ist noch originalgetreu erhalten. In den 80er-Jahren wurde montags gemahlen, dienstags das Dampfl angesetzt und am Mittwoch war Backtag“, erinnert sich BM Karl Raich aus Jerzens. Auch heute noch ist am Mittwoch Brotbacktag. Nach wie vor kümmert sich der TVB Pitztal, in personae Carmen Plattner und Manuela Neururer, ums Brotbacken. Auch die Mühle kann besichtigt werden, doch fehlen heutzutage die kundigen einheimischen Mühlenliebhaber, um aus Korn Mehl zu gewinnen. „Um 8.30 Uhr beginne ich mit dem Vorheizen des Backofens“, berichtet Carmen Plattner. Bis der Ofen gegen zwei Uhr nachmittags die nötige Temperatur von 400° Celsius erreicht hat, muss die Bäckerin bis zu 150 Fichtenholzscheite ins Feuer werfen. „Um zwei nehme ich die gesamte Glut aus dem Ofen und wasche ihn mit Wasser aus. Das muss rasch geschehen, damit die Hitze nicht zu sehr abfällt“, weiß Plattner. Bis zu diesem Zeitpunkt herrscht ein stetiges Kommen und Gehen, um den Bäckerinnen über die Schultern zu blicken, haben sie doch mittlerweile 120 kleine Brotlaibe geformt. Ab 16 Uhr startet der Brotverkauf. „Die ,Leabelen‘ finden bei Einheimischen und Gästen reißenden Absatz“, weiß BM Raich. Und Mühlenfreund Glatzl hofft bald auf „Mühlen-Zuwachs“ im hinteren Pitztal.

Das Mühlrad der Haiminger Bauernmühle ist neueren Datums. Die Mühlenfreunde sind sehr darum bemüht, ihr Wissen weiterzugeben.
© Glatzl

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