„Vor mir der Süden“: Eine Runde um den ganzen Stiefel

Pepe Danquarts Italien-Porträt „Vor mir der Süden“ folgt den Spuren von Pier Paolo Pasolini.

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Erinnerungen an das Strandleben von anno dazumal. Rastende Badende in der neuen Italien-Doku „Vor mir der Süden“.
© Filmladen

Von Markus Schramek

Innsbruck – Ferienzeit ist’s, leider nicht mehr lange. Viele sind zurück aus Österreichs Urlaubsziel numero uno, Italien, vollgetankt mit mehr oder weniger authentischer Italianità zwischen Massen am Strand und Pizza Margherita um „dieci Euro“. Wer sich seinen Urlaubstraum ungetrübt bewahren will, sollte sich „Vor mir der Süden“, die neue Doku von Regisseur Pepe Danquart, nicht zwingend vor Augen führen. Wer unser aller Sehnsuchts- und Nachbarland tiefenscharf aus ungewöhnlicher Perspektive erfahren will, ist bei diesem filmischen Porträt dagegen passgenau richtig.

Filmemacher Danquart wandelt auf den Spuren von Pier Paolo Pasolini. Der hatte 1959 samt Fotograf im Fiat Millecento den gesamten italienischen Stiefel abgeklappert: 3000 Kilometer von Ventimiglia an der französischen Grenze tief hinab bis an den südlichsten Punkt Siziliens, wieder retour immer die Adriaküste entlang via Chioggia und Venedig bis zur slowenischen Grenze.

📽️ Trailer | „Vor mir der Süden“:

Wie Pasolini vor 60 Jahren wird auch Danquart auf der Suche nach dem anderen Italien fündig. Der Deutsche mischt sich unters Volk, lässt Fischer, Marktstandler und afrikanische Migranten zu Wort kommen, und er besucht jene Stelle in Ostia bei Rom, an der Regisseur Pasolini 1975 ermordet wurde.

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Je weiter die Reise in den Mezzogiorno führt, desto größer wird der Zwiespalt zwischen landschaftlicher Schönheit und wirtschaftlicher Tristesse. Im starken Kontrast dazu steht der überbordende Massentourismus des Nordens. Sagt man in Rimini, „heuer sind wenig Deutsche hier“, heißt das im Subtext, dass die Saison überhaupt schlecht läuft. Menschenmassen in den Gassen von Venedig, aufgenommen vor Corona, wirken nach 1,5 Jahren Pandemie seltsam bedrohlich. Den Vogel schießt ein Hotelmanager in Jesolo ab: Er hört gar nicht mehr damit auf herunterzubeten, was in seinem Haus alles „all inclusive“ ist. Eine kleine Auswahl: Golfen, Reiten, Segway- und Sprachkurse und Tontaubenschießen.

Das braucht der Mensch offenbar alles, um zwei Wochen Strandurlaub glücklich zu überstehen.

🎬 Vor mir der Süden. Ab 27. August im Kino.


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