Julian Le Play im Imster Glenthof: Schlager in Ö3-Verpackung

Julian Le Play zum dritten Mal in Imst: Im Glenthof stieg am Mittwoch der erste große Post-Corona-Gig. Jeder und jede wurde abgeholt.

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Im Scheinwerferlicht zuhause: Seinen ersten großen Hit „Mr. Spielberg“ landete Julian Le Play 2012. Jetzt tourt er mit „Tandem“.
© Thomas Böhm

Von Barbara Unterthurner

Imst – Das letzte Mal, als Julian Le Play sich in Tirol aufhielt, hallte ihm kein Beifall entgegen. Da wartete höchstens harte Arbeit auf ihn. „Tandem“, das jüngstes Album des Wiener Musikers, entstand größtenteils in Hall in Tirol. Nicht „in“, aber oberhalb, in einer schön einsamen Hütte. Holz, Speck, Schnaps, ein paar Kaspressknödel und „Bergauf“ schrieb sich quasi von selbst, erzählt Le Play bei seinem aktuellsten Besuch in Tirol. Im Imster Glenthof gab er auf Einladung des Art Club die „Tiroler“ Songs zum Besten. Endlich, schon dreimal wurde das Konzert Corona-bedingt verschoben.

Dass Julian Le Play in Imst funktioniert, hat der Art Club jetzt zum dritten Mal bewiesen. Bei seinem ersten Gig war der Wiener erst 23, hatte nach seiner Teilnahme an der Castingshow „Helden von morgen“ bei den deutschen Nachbarn bei einem Majorlabel gesignt. Und mit „Mr. Spielberg“ 2012 den ersten ganz großen Hit vorgelegt. Einer, der on stage übrigens nach wie vor läuft. 600 ZuhörerInnen stimmten in Imst mit ein.

💬 Julian Le Play im Interview

Es ist ein textsicheres Publikum, mittel-alt oder ganz jung, das den frisch gebackenen 30-Jährigen am Mittwoch nachträglich feiert. Auf den Auftritt eingestimmt hat sie Ina Regen. Ihr Auftritt in der Jury der jüngsten Starmania-Staffel hat ihrer Musik Auftrieb verschafft, Songs wie „Fenster“ bekommen reichlich Airplay und werden gekannt. Die Oberösterreicherin nutzt die Bühne stets für eine wichtige Message: Alle sollten auf ihre Art und Weise etwas dazu beitragen, dass die Welt wieder eine bessere wird.

Als Support auf der Bühne: Die Oberösterreicherin Ina Regen stimmte das Publikum auf den Hauptact Julian Le Play ein.
© Thomas Böhm

Kurzes Innehalten, bevor die gute Laune alle Sorgen wegschwemmt (Regens Zugabe „Spring“). Zwischenzeitlich ereilt einen gar das Gefühl, Florian Silbereisen könnte jederzeit ums nächste Ecke biegen.

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Bei Le Play steckt der Schlager eben in der Ö3-Verpackung. Auf der Bühne gibt er den lockeren, nahbaren Dude, der er wahrscheinlich auch privat ist. Selbst wenn die Hände (wahlweise in den Hosentaschen vergraben oder wild fuchtelnd) nicht immer wissen, was sie machen, die Stimme weiß es. Die sitzt punktgenau. Das hört jeder Schwerhörige spätestens beim Unplugged-Intermezzo. Kurz wird Le Play wieder jener 16-Jährige, der mit Gitarre nach Australien reist, (auch) um dort Musik zu schreiben.

So weit, so stimmig. Wirklich zum Aufstehen bewegt wird das Publikum aber erst durch die Radiohits „Mein Anker“, „Team“ „Hellwach“, „Rollercoaster“ oder die Zugabe „Millionär“. Der Prozess vom Mitsummen hin zum Mitjohlen der obligatorischen „Ohs!“ und „Uhs!“ ist für jeden Nicht-Fan ein schleichender. Abgeholt wird aber jeder und jede. Ausnahmslos. Und das scheint nach dieser langen, konzertfreien Phase wohl genau das Richtige.


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