Studie: Schutzbauten halten Muren effektiv in Zaum

Obwohl Starkregen-Ereignisse in den vergangenen 60 Jahren deutlich zugenommen haben, gab es keine Häufung von Schäden durch Muren.

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Kein Sommer ohne Murenabgänge. In Vals kam es beispielsweise Anfang August nach starken Regenfällen zu mehreren Erdrutschen.
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Wien, Innsbruck – Ein Team der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) hat gestern die Ergebnisse einer Studie zu schadbringenden Muren in Österreich präsentiert. Demnach sind Starkregen-Ereignisse als typische Auslöser von Murenabgängen in den vergangenen sechs Jahrzehnten häufiger geworden. Gleichzeitig drangen Siedlungen immer weiter in exponierte Lagen vor. Trotzdem gab es laut Studienautoren keine Veränderung der Anzahl, Größe und Saisonalität von schadbringenden Murenereignissen. Der Grund liegt in der Zunahme von Schutzbauwerken mit hoher Effektivität.

Untersucht wurden die Daten von rund 12.000 Wildbachereignissen, die im Zeitraum 1961 bis 2017 in Österreich Schäden verursachten. Anschließend verglichen die Forscher die Erkenntnisse mit Daten zur Siedlungstätigkeit, der Verbauung von Wildbächen und der Entwicklung von 15 Klimaindizes, wie zum Beispiel für die Häufigkeit und Intensität von Starkregen. „Viele der Klimaindizes zeigen eine Zunahme von Starkregenereignissen in den letzten Jahrzehnten. Zudem zeigen die Daten der Bebauung eine Zunahme von Gebäuden, die in exponierten Lagen errichtet werden und somit durch Muren gefährdet sind“, sagt Projektleiter Matthias Schlögl.

Trotzdem zeigt die Zahl der schadbringenden Muren in den untersuchten 56 Jahren keinen Trend zu mehr oder intensiveren Ereignissen. Auch in der saisonalen Verteilung ist keine eindeutige Änderung erkennbar. „Die meisten Muren gehen in Österreich in den Sommermonaten Juni, Juli und August ab. Denn zu dieser Zeit fallen am häufigsten sehr große Regenmengen in kurzer Zeit, zum Beispiel bei Gewittern“, erklärt Klimaforscher Schlögl. „Durch die Klimaerwärmung ist zu erwarten, dass Muren früher im Jahr ein Thema werden, da die Zeit der Gewitter und auch die Schneeschmelze früher beginnen. Der scheinbare Widerspruch, dass mehr extremes Wetter und mehr Gebäude in exponierten Lagen keine deutliche Zunahme von schadbringenden Muren bringen, liegt im massiven Ausbau von Schutzanlagen in den letzten Jahrzehnten. Seit den 1960er-Jahren hat sich die vom forsttechnischen Dienst der Wildbach- und Lawinenverbauung errichtete Zahl an Schutzbauten in Österreich nahezu verdreifacht. Dadurch wurde eine Zunahme von schadbringenden Muren verhindert. Die Verbauung kompensierte somit die steigende Exposition und den Einfluss des Klimawandels.

Projektleiter Schlögl zieht zwei Schlüsse aus der Studie: Erstens müsse das hohe Niveau an Schutzbauten in Österreich aufrechterhalten werden und das raumplanerische Konzept der Gefahrenzonenplanung als wichtiges und etabliertes Instrument weiter zur Anwendung kommen. „Und zweitens muss der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen massiv und möglichst rasch reduziert werden, damit die Zunahme an extremen Wetterereignissen langfristig gedämpft wird“, so Schlögl. (TT)


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