Vorarlberger Polizist erschoss mit Messer bewaffneten Mann

Weil Nachbarn Lärmbelästigung gemeldet hatten, rückte die Polizei an. Der 39-Jährige verstarb noch an Ort und Stelle. Das LKA Tirol übernimmt die Ermittlungen zu dem Vorfall.

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Bregenz/Dornbirn – Ein Vorarlberger Polizist hat am Sonntag in Dornbirn einen mit einem Messer bewaffneten Mann erschossen. Der 39-Jährige habe die Beamten gegen 12.30 Uhr angegriffen, als diese wegen einer von den Nachbarn gemeldeten Lärmbelästigung einschreiten wollten. Daraufhin schoss einer der beiden Beamten auf den Mann, der trotz Reanimationsversuchen noch an Ort und Stelle verstarb, so die Vorarlberger Polizei.

Nach derzeitigem Wissensstand hat einer der beiden anwesenden Polizisten seine Dienstwaffe gezogen und damit zwei Mal geschossen, hieß es. Das Kriseninterventionsteam steht im Einsatz, auch die beteiligten Polizisten werden psychologisch betreut. Weitere Details wurden vorerst nicht bekannt gegeben.

Die Ermittlungen zu dem Vorfall seien im Gange und stünden noch am Anfang, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Feldkirch zur APA. Die weiteren Erhebungen zum Sachverhalt führen wie in solchen Fällen üblich nun Ermittler aus einem anderen Bundesland, in dem Fall jene des Landeskriminalamtes Tirol. Dort hieß es am Sonntagnachmittag, ein Ermittlerteam sei bereits nach Vorarlberg aufgebrochen. (APA)

📅 Tödliche Schusswaffeneinsätze der Polizei – Chronologie

Der Schusswaffengebrauch ist für Polizisten immer eine Gratwanderung. Er gilt als letztes Mittel um Randalierer oder Gewalttäter zu stoppen. Häufig werden die Beamten selbst mit Waffen bedroht. Im heurigen Jahr starben bereits zwei Menschen durch Schüsse aus Polizei-Dienstwaffen. Nachfolgend eine Auflistung derartiger Einsätze mit tödlichem Ausgang.

29. August 2021: Ein 39-Jähriger Mann geht in Dornbirn mit einem Messer auf Polizisten los. Ein Beamter feuert zwei Schüsse ab. Der Mann wird tödlich getroffen und stirbt noch an Ort und Stelle. Die Beamten waren ursprünglich wegen Lärms zu dem Haus gerufen worden.

5. Jänner 2021: Eine 67-Jährige wird in der Auhofstraße in Wien-Hietzing durch einen Schuss aus einer Polizeidienstwaffe getötet. Die Pensionistin soll zunächst ihre Heimhilfe bedroht haben. Beim folgenden Polizeieinsatz greift die Frau Beamte mit einem Messer in der Hand an. Die Polizisten setzen daraufhin einen Taser ein und geben einen Schuss ab. Die Frau wird noch mit dem Rettungshubschrauber in ein Spital gebracht, wo sie kurz danach verstirbt.

14. Juni 2020: Nach einer Verfolgungsjagd in Altmünster (Bezirk Gmunden) wird bei einem Schusswechsel mit der Polizei ein Mann getötet. Der Lenker eines Pkw kann erst nach mehreren Versuchen gestoppt werden. Dabei schießt er auf einen Streifenwagen, worauf Polizisten von der Waffe Gebrauch machen. Der Mann, der vier Mal getroffen wird, überlebt die Verletzungen nicht. Zuvor kündigte er gegenüber seiner Frau, dem Nachbarn und einem Priester an, sich das Leben nehmen zu wollen. Mit einer Lang- und einer Faustfeuerwaffe fährt er dann von daheim weg.

17. Juli 2016: Ein 37-Jähriger wird von Polizisten im Stiegenhaus eines Wohnhauses in Wien-Ottakring erschossen, nachdem er diese mit zwei Messern attackiert hatte. Die Exekutive war zuvor wegen „eines randalierenden Mannes" in die Brüßlgasse gerufen worden.

2. Juli 2016: Bei einem Supermarktüberfall in Wien-Penzing wird stiller Alarm ausgelöst. Die eintreffenden Besatzungen dreier Funkstreifen werden von dem Räuber beschossen. Ein Polizist wird dabei lebensgefährlich, ein weiterer schwer und eine Beamtin vermutlich durch einen Sturz leicht verletzt. Der 50-jährige Bosnier flüchtet, wird aber in der Nähe von der Sondereinheit WEGA gestellt. Bei einem neuerlichen Schusswechsel wird der Mann tödlich getroffen.

3. Juli 2014: Ein 21-Jähriger flüchtet nach einem gescheiterten Tankstellenüberfall in Wiener Neustadt in Niederösterreich in einem Auto vom Tatort. Der Mann wird in Neunkirchen von der Polizei gestoppt und bedroht die Beamten mit einer Waffe – wie sich später herausstellt eine Softgun. Die Polizisten eröffnen das Feuer und der junge Mann wird neunmal getroffen, davon dreimal tödlich. Die Staatsanwaltschaft entscheidet elf Monate später, dass der Schusswaffengebrauch gerechtfertigt war, und erhebt keine Anklage.

7. Juni 2013: Ein tobender Mann attackiert in einem engen Stiegenhaus in Liesing acht Angehörige der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) mit einem Messer. Vier der Polizisten geben insgesamt 20 Schüsse ab. Das Verfahren gegen die Beamten wird ein Jahr später eingestellt.

28. April 2010: Ein 84-jähriger Mann in Laakirchen (Bezirk Gmunden) bedroht in den Nachtstunden einen Zeitungsausträger, der in seiner Hauseinfahrt stehen bleibt, mit einer Pistole. Der Autofahrer flüchtet zur Polizei, die den Senior aufsucht. Nachdem der Mann sich auch nach einem Warnschuss weigert, die Pistole fallen zu lassen, eröffnen die Streifenbeamten das Feuer. Ein Schuss trifft den 84-Jährigen in die Brust.

31. Dezember 2009: Nach einem Überfall auf ein Wettcafe bei Graz wird der Räuber während der Verfolgungsjagd von zwei Projektilen in den Bauch getroffen. Der 38-Jährige durchbricht mit seinem Pkw zuvor mehrere Polizeisperren, in Weitendorf stoppt ein Schuss in den Reifen seine Weiterfahrt. Der Mann steigt aus und eröffnet das Feuer - zwei Polizisten geben daraufhin vier Schüsse ab. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass der 38-Jährige nur mit einer Gaspistole bewaffnet war. Der Verletzte stirbt im Spital an inneren Blutungen.

22. November 2009: Ein Polizist tötet in einer Notwehrsituation einen Lebensmüden in Wien-Favoriten. Der 31-Jährige hatte eine täuschend echt aussehende Gaspistole auf den Beamten gerichtet, dieser schießt und trifft den Mann zweimal.

5. August 2009: Bei einem Einbruch in einen Merkur-Markt in Krems a.d. Donau wird ein 14-jähriger Jugendlicher von der Polizei erschossen, sein zum damaligen Zeitpunkt 16-jähriger Komplize schwer verletzt. In der Folge wird über die Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs heftig diskutiert. Ein Beamter wird rechtskräftig zu acht Monaten bedingter Haft wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen verurteilt.

8. August 2008: Ein Polizist erschießt gegen 4 Uhr in Wetzelsdorf (Bezirk Korneuburg) einen Motorraddieb. Der 46-Jährige wollte bei einem Anhalteversuch davonrasen.

19. April 2008: Auf einem Parkplatz der Wiener Außenring-Schnellstraße (S1) in Schwechat kommt bei einem Schusswechsel ein als Polizist getarnter Rumäne durch das Projektil einer Dienstwaffe eines Beamten in Zivil ums Leben. Laut Polizei war der Flüchtende, der gemeinsam mit zwei Komplizen mehrere Überfälle begangen haben soll, auf die Beamten losgefahren. Die Anklagebehörde kommt zu dem Schluss, dass die Schussabgabe durch die Polizisten gerechtfertigt war.


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