1, 2 oder 3 „G“? Einheitliche Covid-Regeln fehlen weiter

In Österreich sind sich nicht einmal die Medizin-Universitäten einig, welches G für Studierende gelten soll. Fitnesscenter-Betreiber wehren sich gegen die 1-G-Regel. Genesene werden oft benachteiligt.

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Ins Fitnesscenter sollen nur Geimpfte dürfen. Das regt die Branche auf, die bereits jetzt enorme Kundenrückgänge verzeichnet.
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Innsbruck – Das „G“ ist nicht gleich viel wert. Gesund gilt gar nicht, getestet schon eher, geimpft sowieso und genesen? Dieses „G“ gilt vielen als vernachlässigt. Kein Einlass in die Nachtgastronomie oder ins Fitnesscenter und jetzt sogar an den Medizin-Universitäten. Bis Mitte August reichte die natürliche Immunität plus eine Impfung nicht einmal für den „Grünen Pass“.

650.000 Genesene

Dabei gelten in Österreich 650.000 Menschen offiziell als genesen, wie hoch die Dunkelziffer ist, wird unterschiedlich eingeschätzt. Bis zu doppelt so hoch könnte die Zahl derer sein, die die Krankheit durchgemacht haben. Auch in diesem Punkt sind sich Wissenschafter uneins. Es gibt Studien, die belegen, dass eine durchgemachte Infektion zu zwischen 80 und 90 Prozent vor einer Reinfektion schützt. Bisher lässt sich noch nicht belegen, dass die Schutzwirkung der Impfung oder der durchgemachten Infektion schlechter oder weniger lange anhält. Die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer meinte, Geimpfte und Genesene seien zumindest in den ersten sechs Monaten gleichzusetzen.

Die Bundesregierung sieht das offenbar anders. Während Genesene zuerst nur für drei Monate auf der sicheren Seite eingereiht wurden, gestand die Bundesregierung der Impfung, kaum war sie gestartet, einen Schutz von bis zu einem Jahr zu.

Der Innsbrucker Neuroimmunologe und Leiter einer Antikörper-Studie, Florian Deisenhammer von der Med-Uni Innsbruck, ist selbst Genesener und einmal geimpft. „Die Impfung ist einfach das Trumpfass, das man obendrauf schlägt“, meinte er. „Dann ist endgültig eine Ruh’.“ Deisenhammer attestierte aber Genesenen eine stabile Immunität. „Wer genesen ist, ist immun.“

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Medizin-Unis uneins

Welches „G“ was wert ist, darüber sind sich offenbar nicht einmal die Medizin-Universitäten in Wien, Innsbruck und Graz bzw. die Medizin-Fakultät der Universität Linz einig. Es dürfte dort im kommenden Semester etwas unterschiedliche Vorgaben für die Studenten in Sachen Impfpflicht geben. Die Medizin-Unis Wien und Innsbruck verlangen ab dem klinischen Bereich einen Impfnachweis, in Graz gilt weitestgehend eine 2-G-Regelung und in Linz die 3-G-Regel, hieß es auf APA-Anfrage.

Ein Impfnachweis für die Inskription ist aber an keiner der vier Unis nötig. In Wien und Innsbruck gilt für Studenten die 1-G-Regel, allerdings im klinischen Bereich, also ab dem ersten Patientenkontakt. Das ist etwa in Wien spätestens am Ende des 2. Studienjahrs der Fall. Damit gibt es eine De-facto-Impfpflicht, da alle Studenten im Rahmen der Ausbildung diesen Bereich durchlaufen müssen.

Fitnesscenter-Betreiber gegen 1-G-Regel

„Es braucht Anreize für eine Erhöhung der Impfquote statt weiterer Verschärfungen in Fitnessstudios.“ – Alois Fauster (Fitnesscenter-Sprecher WK)

Einig sind sich hingegen die Fitnesscenter-Betreiber, nämlich darin, dass sie gegen die 1-G-Regel sind. Tirols Berufsgruppensprecher Alois Fauster fordert positive Anreize für eine Erhöhung der Impfquote statt weiterer Verschärfungen in Fitnessstudios. Die Studios haben bis zu ein Drittel ihrer Kunden eingebüßt. Sie waren seit November, sieben Monate, geschlossen und haben unter strengen Auflagen gelitten. „Statistisch gesehen liegt das Durchschnittsalter unserer Kunden zwischen 30 und 45 Jahren, in dieser Altersgruppe ist der Anteil der Geimpften noch verhältnismäßig gering“, sagt Fauster. Er tritt für eine 3-G-Regelung ein, die jetzt auch gelte. (aheu, APA)


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