Festwochen der Alten Musik: Corona-frei bis zum Schluss

Mit dem traditionellen Cesti-Wettsingen und dem Triumph von drei Sopranistinnen gingen die Festwochen der Alten Musik ohne gröbere Zwischenfälle zu Ende.

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Eine hingebungsvolle Stimme, die unter die Haut geht. Shira Patchornik holte sich im Haus der Musik den Cesti-Sieg.
© Celina Friedrichs

Von Markus Schramek

Innsbruck – In durchseuchten Zeiten wie diesen kann selbst das Attribut „negativ“ eine positive Nachricht beschreiben. Und diese lautet: Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, am Sonntag nach dreieinhalb Wochen zu Ende gegangen, konnten sich wie im Vorjahr Covid vom Leib halten. Null Corona-Positive in der Künstlerschaft. Diese wurde routinemäßig getestet, zusätzlich waren viele geimpft. Auch im Publikum, das unter 3-G-Regeln und mit personalisierten Tickets zu den Vorstellungen erschien, wurden keine Infektionsfälle bekannt. Die Kontaktnachverfolgung musste nicht aktiviert werden.

📽️ Video | Cesti-Wettbewerb im Haus der Musik

In künstlerischer Hinsicht stieg am letzten Festivaltag das Finale des 12. Cesti-Gesangswettbewerbs im Haus der Musik. Diese Leistungsschau aufstrebender Sängerinnen und Sänger hat sich einen Namen gemacht. Die Innsbrucker Festwochen selbst und ähnlich gelagerte Veranstaltungen fischen mit Wonne für ihre Besetzungen aus dem Pool der Teilnehmer.

Auslastung unter dem Vorjahr

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik erreichten heuer bei ihrer 45. Ausgabe eine Auslastung von 86 Prozent. 13.000 Gäste, darunter rund 9000 Ticketkäufer, besuchten die 53 Veranstaltungen (19 davon waren kostenlos). An die Auslastung der Vorjahre kam man prozentuell heuer nicht heran. 2020, bei stark eingeschränktem Angebot infolge der Corona-Pandemie, lag die Auslastung bei 95 Prozent. In Vor-Corona-Zeiten war sie zuletzt ähnlich hoch.

Das Opernprogramm der 46. Innsbrucker Festwochen (12. Juli bis 28. August 2022) umfasst „Silla“ von Carl Heinrich Graun, Giovanni Bononcinis „Astarto“ und als Barockoper:Jung „L’amazzone corsara“ von Carlo Pallavicino.

Die zehn Finalisten absolvierten zwei Runden aus Pflicht (eine Arie aus Carlo Pallavicinos Oper „L’amazzone corsara“) und selbst gewählter Kür. Die Jury beriet lange, denn die Entscheidung war nicht einfach.

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Schließlich wurde die Israelin Shira Patchornik verdient zur Siegerin gekürt. Ihre Interpretation der Arie „Se pietà di me non senti“ aus Händels Oper „Giulio Cesare“ sorgte im ersten Durchgang für einen berührend schönen Gänsehautmoment. „Brava“, ertönte es von den Rängen. Schon da war klar, dass der Sieg an diesem Abend über Patchornik führen würde.

Auf den Pätzen 2 und 3 folgten mit Hannah De Priest (USA) und Jasmin Delfs (D) zwei weitere Sopranistinnen.

Strahlenden, hohen Frauenstimmen fällt es in direkter Aufeinanderfolge wohl leichter zu glänzen. Vielleicht wäre es Zeit, die Cesti-Preise für verschiedene Stimmlagen zu vergeben: Sopran, Alt, Countertenor, Bass usw. Auf diese Weise könnten Jury und Publikum tatsächlich Gleiches mit Gleichem vergleichen.

12. Cesti-Wettbewerb

Von 76 KandidatInnen aus 26 Ländern kamen zehn ins Finale. Hier die Ergebnisse:

1. Preis (4000 EUR): Shira Patchornik, Sopran, 28 Jahre, Israel.

2. Preis (3000 EUR): Hannah De Priest, Sopran, 30 Jahre, USA.

3. Preis (2000 EUR): Jasmin Delfs, Sopran, 23 Jahre, Deutschland.

Publikumspreis (1000 EUR): Shira Patchornik; Nachwuchspreis (1500 EUR): Rémy Bres-Feuillet (F)


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