„Kulturstrategie 2030“: Projektleiterin bisher zufrieden, Kritik aus der Szene

Eineinhalb Jahre „Kulturstrategie 2030“: Projektleiterin Rita Hebenstreit ist zufrieden mit der bisherigen Beteiligung von Kulturakteuren an dem Prozess. Kritik kommt derweil direkt aus der Szene.

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„Jetzt geht es darum, aus dem breit angelegten Diskurs einige wenige Themen konkreter zu fassen“, sagt Projektleiterin Rita Hebenstreit.
© Böhm

Innsbruck – Das Kulturbild der Stadt schärfen – gemeinsam mit Kulturakteuren, das steht seit Dezember 2019 auf der Agenda des Referats für Kulturentwicklung und Förderungen. Noch konkreter auf jener von Rita Hebenstreit, Projektleiterin der Innsbrucker Kulturstrategie 2030. Seit Juli 2020 wird intensiv gearbeitet – am Kennenlernen der Szene (daraus entstand ein Grundlagenpapier mit 265 Seiten) genauso wie am Arbeiten mit ebenjener (seit April diesen Jahres in offenen Workshops).

Gestern meldete sich die Kulturstrategie offiziell aus der ersten Sommerpause zurück – Zeit für eine Zwischenbilanz nach eineinhalb Jahren Arbeit? Nicht ganz so einfach. Aus den abstrahierten Wortwolken in der (Online-)Dokumentation lässt sich noch nichts wirklich Handfestes herauslesen. Ein finales Strategiepapier muss laut Plan auch erst Mitte 2022 stehen.

„Mir wäre eine Strategie für jetzt lieber, nicht für 2030. Von Funktionärstreffen halte ich wenig“, sagt Treibhaus-Chef Norbert Pleifer.
© Rachlé

Die angesetzte Dauer des Prozesses löst derweil einige Kritik aus. Vornehmlich direkt aus der Szene: Galerist Bernd Kugler warnte in einem Leserbrief an die TT davor, dass man bis zum Erstellen einer Strategie längst von „allen in Europa überholt“ worden sei. Ein Problem mit der zeitlichen Ausrichtung hat auch Treibhaus-Chef Norbert Pleifer, ihm wäre eine „Strategie für jetzt“ lieber, erklärte er gestern auf Nachfrage. Kundgetan hat er seine Meinung bereits in einem der 33 qualitativen Interviews, die im Rahmen der Kulturstrategie entstanden. Ein „nettes Gespräch“, wie Pleifer nicht unironisch berichtet. Dass auf die Szene zugegangen wird, ist für ihn ein positiver Effekt der Initiative. „Trotzdem bleibt Kultur auf so lange Sicht nicht planbar“, erklärt er. Und von „zig Funktionärstreffen“ (O-Ton Pleifer) halte er wenig.

„Raum und Zusammenarbeit“ beim nächsten Workshop im Fokus

An den offenen Workshop-Terminen hat Pleifer nicht teilgenommen – gerade hier würden jedoch die positiven Reaktionen überwiegen, entgegnet Hebenstreit den negativen Reaktionen normalerweise. „Kritik äußern ist okay, es ist aber eine andere Sache, sich dem Diskurs zu stellen“, meint Hebenstreit in Richtung der Zweifler, für die sie im gleichen Atemzug nochmals eine Einladung zu den bevorstehenden Workshop-Terminen ausspricht.

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Am 28. September (17 Uhr) findet der erste von drei statt, erstmals analog im Haus der Musik. Im virtuellen Raum hatten sich bisher an drei Abenden jeweils 80 bis 150 Teilnehmende versammelt, berichtet die Projektleiterin. Mit der Beteiligung ist sie zufrieden. Dass beim ersten Termin zeitweise sogar über 180 Interessierte dabei waren, dürfte der Neugier und dem damals noch aufrechten Lockdown geschuldet sein.

Bei den Herbst-Terminen gehe es nun darum, aus dem breit angelegten Diskurs einige wenige Themen konkreter zu fassen, erklärt Hebenstreit. Dass eine Form des Austausches weiterhin stattfinden muss, in Form von Beiräten oder Arbeitsgruppen, ist für sie jetzt schon klar. Hebenstreit ortet in der Szene ein starkes Bedürfnis zur Vernetzung. Deshalb stehen beim nächsten Termin die Schlagworte „Raum und Zusammenarbeit“ im Mittelpunkt. Also: Wer kann mit wem? Ab 4. September kann man sich für den Workshop (via kulturstrategie-innsbruck.at) anmelden.


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