Tirols Caritas-Direktorin Rathgeb: Eine Anwältin für alle, die kein Gehör finden

Tirols neue Caritas-Direktorin Elisabeth Rathgeb stellte gestern Schwerpunkte und Ziele ihrer Amtszeit vor.

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Innsbrucks Bischof Hermann Glettler wünschte Elisabeth Rathgeb viel Erfol­g für ihre neue Aufgabe bei der Caritas.
© Diözese Innsbruck/Sigl

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Die Tiroler Caritas hat eine neue Chefin. Am 1. September hat Elisabeth Rathgeb das Amt der Direktorin von Georg Schärmer übernommen. Gestern stellte die langjährige Seelsorgeamtsleiterin der Diözese Innsbruck Schwerpunkte, Programm und Ziele ihrer anstehenden Arbeit vor. Besonderes Aufmerksamkeit will sie den Problemen von und Herausforderungen für Kinder und Jugendliche schenken.

„Großes Wissen um Land und Leute, dörfliche Strukturen wie Pfarrgemeinden“ attestierte Bischof Hermann Gletter der neuen Caritas-Direktorin. Damit sei sie wie geschaffen für diesen Posten. Als behutsame und entschlossene Frau habe er sie kennen gelernt, die „eine Idee oder Intention umsetzt, wenn sie diese hat“. Bei ihrem Vorgänger Schärmer bedankte sich Bischof Glettler für das, was dieser „mit unglaublicher Schaffenskraft und großer Flexibilität“ in 23 Jahren an der Spitze der Caritas geleistet habe.

Dieses Fundament möchte Elisabeth Rathgeb nutzen und „daran anknüpfen, was er aufgebaut hat“. Bereits vor einem Jahr wurde sie zur stellvertretenden Direktorin der kirchlichen Hilfsorganisation ernannt, um sich einleben zu können, und habe in dieser Zeit erkennen müssen, „wie viel versteckte Not es in Tirol gibt. Das hat mich überrascht und sehr betroffen gemacht.“ Zugleich gebe es eine enorme Hilfsbereitschaft, die kaum jemand „an die große Glocke hängen will. Von der beträchtlichen Spende bis zur Pensionistin, die sieben Euro im Monat überweist.“ Diese in vielen Bereichen bereits gelebte „Kultur des Solidarität gilt es neu zu beleben und zu stärken“, sagte Rathgeb.

Kinder und Jugendliche will die Caritas-Direktorin besonders unterstützen und ihnen Perspektiven bieten – unter anderem mit einem Beschäftigungsprojekt für Burschen und Mädchen, die in keiner Ausbildung Fuß fassen konnten. Ebenfalls auf der Agenda steht der Ausbau von Familien- und Sozialhilfen, die schon jetzt um eine Rechtsberatung ergänzt wurden: „Weil die Probleme in der Corona-Krise komplexer wurden.“ Weitere Akzente sollen in der Demenzberatung und bei der Entlastung pflegender Angehöriger gesetzt werden.

Rathgeb will auch als Mahnerin auftreten und „die Anwaltschaft für Menschen wahrnehmen, die sich selbst kein Gehör schaffen können und keine Lobby haben. Ich werde die Stimme erheben, wenn in unseren Einrichtungen zu sehen ist, dass es irgendwo brennt“, betonte sie. Dabei will die 55-Jährige „nicht als Gegenspieler, sondern als Partner von Politik und anderen Organisationen“ auftreten.


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