Versorgung in Österreich: Mangel an Ärzten und Daten

Der Rechnungshof prüfte die ärztliche Versorgung in Österreich. Vergleiche sind mangels Zahlen schwierig.

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Was brauchen die Patientinnen und Patienten? Der Rechnungshof vermisst eine systematische Erhebung der Bedürfnisse.
© APA/Fohringer

Wien, Innsbruck – Die Entwicklung geht auseinander: Österreichweit ist die Bevölkerung in den Jahren 2009 bis 2019 um sechs Prozent gewachsen. Die Zahl der Kassenärztinnen und -ärzte hielt mit diesem Trend aber nicht Schritt. Die Folge war eine „Leistungsverdichtung“, schreibt der Rechnungshof. Im Detail zeigt sich, dass die Entwicklung regional und je nach medizinischem Fachgebiet unterschiedlich war. Die Prüfenden stießen zudem auf das Problem fehlender oder lückenhafter Daten, um die Qualität der Versorgung vergleichen zu können.

Weder das Gesundheitsministerium noch die Sozialversicherungen oder die Ärztekammer verfügten über Kennzahlen, um das Angebot „valide zu erfassen“, heißt es in dem Bericht. Die Zahlen geben keine Auskunft über das Ausmaß der Tätigkeit von Ärztinnen und Ärzten oder über die Zusammenarbeit in Gruppenpraxen. Ebenso fehlen Vergleichszahlen über die Öffnungszeiten.

Jene Zahlen, die der Rechnungshof schließlich erheben konnte, ergeben folgendes Bild: Österreichweit waren Ende des Jahres 2019 von 7142 Planstellen für Kassenärzte 327 nicht besetzt. Das entspricht einem Anteil von 4,6 Prozent. Ein Grund für die Lücken sind mangelnder Nachwuchs und Abwanderung ins Ausland.

In Tirol gab es zu diesem Zeitpunkt 594 Planstellen, davon 322 für Allgemeinmedizin. 19 waren nicht besetzt, davon 5 für Allgemeinmedizin. Die unbesetzten Stellen machten 3,2 Prozent aus.

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Wo und für welche Bereiche Ärzte fehlen, ist aber auch nach Regionen verschieden. Auch in diesem Fall kritisiert der Rechnungshof die Datenlage und die fehlende Vergleichbarkeit. Zwar gibt der „Strukturplan Gesundheit“ für insgesamt 35 Regionen einen Richtwert vor. Die Bandbreite sei aber zu groß. In Tirol zeigt sich ein Vorteil für den Zentralraum um Innsbruck.

Ein weiterer Kritikpunkt: Kein Bundesland erhebe systematisch den Bedarf der Patientinnen und Patienten. Dies betrifft etwa die Öffnungszeiten. Zwar wollen gerade in den Randzeiten viele Menschen zum Arzt. Vor 8 oder nach 18 Uhr war das Angebot der Kassenärzte aber gering. Im Burgenland lag es zumindest noch bei zehn Prozent der Gesamtöffnungszeiten – in Tirol nur bei fünf Prozent. (sabl)


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