Artacts in St. Johann: Von der Leichtigkeit des freien Musizierens

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Das „Jan Klare Quartett“ mit Einspringerin Elisabeth Harnik am Klavier.
© Petra Cvelbar

St. Johann – Leicht hatte es die Crew um Hans Oberlechner und Karin Girkinger nicht, um die 2021er-Ausgabe der artacts, des Festivals für Jazz und improvisierte Musik, auf die Bühne der Alten Gerberei in St. Johann zu stellen. Zuerst wurde Covid-bedingt der traditionelle Termin im März in den Spätsommer verlegt, und dann streikten die deutschen Lokführer, was die Anreise der MusikerInnen aus halb Europa deutlich verkomplizierte. Letztlich ist sich alles ausgegangen, zwölf feine Konzerte.

Es begann am Freitag ein frisches Bläserquintett mit dem schwer zu behaltenden Namen ALJAMOSUTHOVI, die Abkürzung der Vornamen der Beteiligten. Eine Fanfare zur Begrüßung mit zwei Trompeten, Tenorsaxofon, Klarinette und Bassklarinette. Da gibt kein Rhythmusteam Halt, keine Harmonieinstrumente vermitteln eine Struktur, dafür haben die fünf jede Freiheit der Welt. Musikalische Inputs werden gegeben, angenommen, beantwortet, immer wieder auch zurückgewiesen. Susanna Gartmayers Bassklarinette erweist sich als pulsgebende Kraft. Ab und zu einigt man sich auf zwischentonreiches, mächtiges Unisono, das Trompeter Thomas Berghammer einzählt.

Dann ein Trio mit dem Posaunisten Matthias Müller, der Pianistin Eve Risser und dem Drummer Christian Marien. Dunkles Getrommel reflektiert Risser im Bauch des Pianos, darüber zieht Müller seine Linien, leise und intim, in der Folge kräftiger und intensiver. Gesprächsführung auf hohem intellektuellen Niveau.

Punk kündigt Hans Oberlechner als Nächstes an. Ganz so wild geben sich Manu Hermia, Valentin Ceccaldi und Sylvain Darrifourcq aber doch nicht. Saxofon, Cello und Schlagzeug erzeugen schon ordentlichen Druck, und ein wenig lauter wird es auch. Nach stürmischem Beginn kommen Sanftmut und Liebenswürdigkeit durch.

Am Ende war das Quartett des Altsaxofonisten und Flötisten Jan Klare mit dem Posaunisten Steve Swell angekündigt. Swell konnte nicht kommen, also sprang auf Wunsch Klares die Grazer Pianistin Elisabeth Harnik ein. Sie fügt sich geschmeidig ein in den Sound der Band, in der Wilbert de Joode den Bass und Michael Vatcher das Schlagzeug bedienen. Meisterhaft intonierter Freejazz, tief berührt die vermittelte Freude am gemeinsamen Tun, erstaunt die Mühelosigkeit des Zusammenfindens.

Heute Sonntag noch einmal vier Bands im Konzert. (haun)


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