Lenker kennen Rechte der Kinder nicht (mehr), Sorge wegen XL-Traktoren

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An ausgesuchten Stellen in Tirol, an denen es schon zu Gefahrensituationen kam (im Bild Unterperfuss), mahnen Schilder Traktorfahrer zu mehr Vorsicht.
© Falk

Innsbruck – Anlässlich des bevorstehenden Schulbeginns erinnert das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) an die Gefahren des Schulwegs: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie können die Geschwindigkeiten herannahender Fahrzeuge nicht abschätzen und auch in ihrem Spieltrieb Prozesse nicht so schnell bremsen“, sagt Peter Felber vom Kuratorium. Während der strengen Lockdowns waren Schulkinder großteils vom Straßenbild verschwunden und viele Autofahrer nicht mehr an sie gewöhnt – ein besonders auffallendes Plakatmotiv soll nun wieder das Bewusstsein für entsprechende Rücksichtnahme schärfen und darauf, ganz besonders aufzupassen.

„Wir sind wieder da“ ist darauf in großen, gelben Buchstaben zu lesen. Da die Plakate nur zu Schulbeginn aufgestellt werden, ist die Wirkung besonders groß, sagt Felber. Es gibt keinen Gewöhnungseffekt. Insgesamt 1600 Stück wurden an die Tiroler Gemeinden verschickt, die sie in der Nähe von Schulen und auf Schulwegen aufstellen.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Unfälle auf Schulwegen Corona-bedingt im Vergleich zu den Vorjahren sehr niedrig. Bei 18 Verkehrsunfällen wurden 19 Schüler auf ihrem Schulweg teilweise schwer verletzt. 2019 waren es 47, 2018 sogar 62 verletzte Schulkinder. Vor diesem Hintergrund möchte Felber an eine Verkehrsregel erinnern, die viele vergessen hätten: „Beabsichtigen Kinder – auch in Begleitung von Erwachsenen –, eine Straße zu überqueren, müssen Autofahrer wie vor einem unsichtbaren Zebrastreifen stehenbleiben. Da Kinder vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen sind, haben sie überall Vorrang!“ (ms)

Eltern sorgen sich wegen XL-Traktoren

Großtraktoren überragen fast alle anderen Verkehrsteilnehmer, allein ihre wuchtigen Räder sind wesentlich größer als jedes Kind. Da viele dieser XL-Zugmaschinen auch noch sehr schnell unterwegs sind, machen sich vor allem Eltern Sorgen.

Aus Tirol sind keine Zahlen über Unfälle auf Straßen mit Verletzten bekannt, doch laut einer Untersuchung in Deutschland werden bei Unfällen mit Beteiligung von landwirtschaftlichen Zugmaschinen überdurchschnittlich viele Personen schwer verletzt oder getötet. Unfallschwerpunkte sind vor allem Kreuzungen, Einmündungen zu Feldwegen, Kurven und Grundstücksausfahrten.

In Tirol ließ die Landesregierung im Rahmen einer Informationskampagne für mehr Rücksicht im Straßenverkehr in 25 Gemeinden 2,1 mal 2,3 Meter große Plakate anbringen, sie zeigen beeindruckend das Größenverhältnis zwischen Reifen und Kind. Die Standorte wurden in Zusammenarbeit mit der Tiroler Verkehrspolizei nach häufigen Gefahrensituationen ausgesucht. An landwirtschaftliche Schulen wurden Informationsbroschüren geschickt.

Über den Winter, wenn die Traktoren in Tirol bestenfalls für die Schneeräumung im Einsatz sind, werden die Plakate abmontiert, im kommenden Jahr aber wieder aufgehängt. (ms)


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