Fachkräftemangel bei Tirols Friseuren: „Es kommen einfach zu wenige nach“

Friseure haben bundesweit ein Drittel weniger Geschäft. Noch mehr Sorgen bereitet aber der Fachkräftemangel.

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Die Friseurbranche kämpft, wie viele andere auch, mit dem Fachkräftemangel.
© WKO

Von Anna Haselwanter

Wien, Innsbruck – Der regelmäßige Friseurbesuch sei auch abseits der Lockdowns deutlich weniger geworden, spricht Wolfgang Eder, Bundesinnungsmeister der Friseure, von einem Umsatzeinbruch während der Pandemie. Seiner Beobachtung nach gibt es österreichweit bei Kunden und Umsatz im Schnitt einen Rückgang von 30 Prozent. Eine Wahrnehmung, die Clemens Happ, Innungsmeister der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WK Tirol, nicht vollständig teilt: „Seit Beginn der Pandemie werden die 30 Prozent hinkommen, aber das Geschäft hat sich seit Ende der Lockdowns in Tirol stabilisiert.“

Was Happ mehr Bauchschmerzen bereitet, ist der Fachkräftemangel. In den 750 Tiroler Friseurbetrieben seien aktuell rund hundert Stellen offen. Es kommen einfach zu wenige nach, seufzt Happ. Ein Problem, das aber nicht alleine seine Branche, „sondern wirklich alle betrifft“.

Corona habe den Mangel „ans Tageslicht gebracht“. Während man sich vorher „durchwurstelte“, wurde gerade in der Pandemie sichtbar, wie knapp besetzt viele Betriebe sind. Er ortet daher einen Umschwung, der weit über seine eigene Branche hinausgehe.

„Die Wirtschaft steht insgesamt vor einem großen Wandel“, sagt er – und meint: neue Arbeitszeitenmodelle und eine bessere Entlohnung. Stichworte, die nicht erst seit gestern für Diskussionen sorgen. Aber: „Wie so oft im Leben ändert man Dinge eben erst, wenn es wirklich weh tut.“ Das sei nun der Fall.

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Es sei jetzt an der Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man etwa eine Vier-Tage-Woche finanzieren kann, sagt Happ. Die seit Jahrzehnten diskutierte Lohnnebenkostensenkung sei aus seiner Sicht aber nicht das Mittel dazu. „Der Arbeitgeberanteil der letzten Lohnnebenkostensenkung betrug 0,7 Prozent und ist für die Betriebe finanziell kaum spürbar, aber den Staat kostet diese Lohnnebenkostensenkung eine Milliarde Euro. Da sieht man, dass eine spürbare Lohnnebenkostensenkung von fünf bis zehn Prozent sowohl für die Arbeitgeberseite wie auch die Arbeitnehmerseite nicht möglich ist. Außer man kürzt die Gegenleistungen wie Arbeitslose, Pension etc. – und das wollen wir alle nicht“, sagt Happ.

Alternativ schlägt er vor, den Betrieben eine Möglichkeit zu geben, freiwillig einen 15. Gehalt auszubezahlen, der mit zehn Prozent besteuert ist. „Das würde heißen, es kommt netto mehr beim Mitarbeiter an“, so der Innungsmeister. So oder so muss und wird sich auch etwas ändern, ist er sicher. Denn jährlich erwirtschaften Tirols Friseure laut Happ zwischen 83 und 100 Millionen Euro. Damit das weiterhin funktioniere, brauche es die Fachkräfte.


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