Schulstart mit Bauchweh: Ohne Sicherheitsnetz geht gar nichts

Maskenpflicht, Testmanagement, Quarantäneregeln: Der zweite Schulbeginn unter Corona und seine Begleiterscheinungen.

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Volksschüler vergangene Woche am ersten Schultag in einer Schule in Lyon/Frankreich. In Ostösterreich kehren die Kinder und Jugendlichen morgen wieder in die Klassen zurück.
© AFP/Pachoud

Von Carmen Baumgartner-Pötz

Wien – Morgen beginnt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland das neue Schuljahr, in den anderen Bundesländern geht es am 13. September los. Fix ist: Auch das Schuljahr 2021/22 wird eines unter Corona-Bedingungen werden, diesmal beginnend mit einer dreiwöchigen „Sicherheitsphase“. In dieser Zeit gibt es einheitliche Vorgaben für Corona-Tests und Maskenpflicht an den Schulen.

Was der weitere Schulbetrieb mit sich bringt – etwa das befürchtete heftige Zirkulieren des Virus in der Altersgruppe der noch nicht impfbaren unter 12-Jährigen –, ist schwer zu prognostizieren. Im Unterrichtsministerium hat man jedenfalls Präsenzunterricht als oberstes Ziel ausgegeben. Unter Eltern bzw. Erziehungsberechtigten geht angesichts der steigenden Infektionszahlen allerdings schon wieder die Angst vor flächendeckenden Schulschließungen um. Wie sieht es in den Ländern aus, in denen die Schule bereits wieder begonnen hat? Ein Überblick.

In Deutschland ist in manchen Bundesländern schon vor drei Wochen der Schulbetrieb wieder angelaufen. Die Regeln zum Masketragen und Testen sind unterschiedlich, ebenso die Quarantäneregeln (Dauer etc.), sehr zum Missfallen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Das Thema Corona und Schule wird äußerst kontrovers diskutiert. Während der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die Beibehaltung von Schutzmaßnahmen fordert und unter anderem auf die Anschaffung von Luftfiltern pocht, gibt es auch Gegenstimmen. So forderten Dutzende namhafte Kinder- und Jugendmediziner und andere Experten in einem offenen Brief das Ende von anlasslosen Corona-Tests in Schulen und eine „Vermeidung überzogener und unverhältnismäßiger Quarantäneregeln“. „Nach monatelangen Schul- und Kita-Schließungen, die mit Abstand zu den längsten in Europa zählen, schuldet die Politik unseren Kindern und Jugendlichen jetzt vor allem eines: Normalität“, heißt es in dem Schreiben des Vereins „Initiative Familien“.

In Tschechien hat das neue Schuljahr am 1. September mit Corona-Tests begonnen. Kinder, deren Eltern die Tests ablehnen, müssen eine Maske tragen. Sie dürfen weder am Sport teilnehmen noch im Musikunterricht singen.

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In England wurde anlässlich des Schulstarts von Lehrern und Wissenschaftern eine Wiedereinführung der Maskenpflicht an Schulen gefordert. „Warum geben wir Maßnahmen auf, die in einer ungeimpften Altersgruppe, in einem überfüllten Gebäude zu einer dramatischen Reduzierung der Übertragung geführt hätten?“, fragte Mary Bousted, Chefin der Lehrergewerkschaft National Education Union, im Daily Mirror. Schülerinnen und Schüler hätten sich an Masken gewöhnt, die ein einfaches Mittel im Kampf gegen das Coronavirus seien. „Wir werden erleben, dass sich Tausende Schüler und Hunderte Lehrer selbst isolieren müssen“, sagte Bousted. Sie verwies auf Erfahrungen in Schottland, wo das Schuljahr bereits begonnen hat. Dort sind die Neuinfektionen zuletzt deutlich gestiegen.

Ungarn hat das neue Schuljahr am Mittwoch hingegen ohne Corona-Beschränkungen begonnen. Einzelne Schulen können allerdings nach eigenem Ermessen eigene Regeln aufstellen.

Israel: Beim einstigen Impf-Weltmeister gilt Maskenpflicht für die rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendlichen. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen war am Tag vor Schulbeginn auf einen Höchststand seit Beginn der Pandemie geklettert. Etwa eine Viertelmillion Schüler müssen an Fernunterricht teilnehmen – entweder, weil sie in Corona-Quarantäne sind, oder weil die Zahl geimpfter Kinder in ihren Klassen zu niedrig ist. Für Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren lief im August ein Projekt mit Corona-Antikörpertests.

In Italien rüsten sich einige Regionen im Hinblick auf die Wiederöffnung der Schulen durch die Einführung von Speicheltests, um Schüler stichprobenmäßig zu testen. Ab Mittwoch müssen Lehrer einen Grünen Pass bzw. einen 3-G-Nachweis vorweisen, um die Schule zu betreten.


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