Schulbeginn wird Corona-Test, Après-Ski als Achillesferse für Wintersaison

Bildungsminister Heinz Faßmann will bei positiven Fällen nicht gleich in Quarantäne schicken. Für Seilbahnsprecher Franz Hörl ist Après-Ski die Achillesferse für die Wintersaison.

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Auf offene Schulen – vor allem im Herbst und im Winter – hoffen Schüler, Eltern und Lehrer.
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Innsbruck, Wien – Im Windschatten des Bund-Länder-Gipfels mit Bundesregierung und Landeshauptleuten am Mittwoch in Wien, bei der die Corona-Strategie für den Herbst festgelegt werden soll, nehmen die Wortmeldungen aus der Politik wieder zu. Eine fast schon geübte Praxis. Zugleich beginnt heute für 500.000 Schüler in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wieder der Unterricht. Eine Woche später folgen dann die restlichen Bundesländer und weitere 600.000 Schüler. Experten und Mediziner erwarten, dass sich durch den Schulstart das Infektionsgeschehen weiter beschleunigt. Doch nicht nur der Herbst beschäftigt Bund und Länder, Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein denkt bereits an den Winter. Und da an die 1-G-Regel für Après-Ski, wie er in Interviews erklärte.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) begrüßte am Sonntag den Vorschlag aus der Wissenschaft, bei einem positiven Corona-Test nicht die ganze Klasse in Quarantäne zu schicken. „Unsere Gurgelstudie hat gezeigt, dass Cluster in Klassen die Ausnahme bilden. Wir haben mit flächendeckenden PCR-Tests an allen Schulen, mit dem Abwasser-Frühwarnsystem und zahlreichen Impfangeboten ein umfangreiches und europaweit einzigartiges Sicherheitskonzept geschaffen.“

Damit ist die FPÖ gar nicht einverstanden. FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl und Niederösterreichs FPÖ-Landeschef Udo Landbauer fordern, den Kindern einen so normalen Schulstart wie möglich zu bescheren. „Schüler sind die am wenigsten gefährdete Gruppe. In der Schule braucht es weder einen Testzwang noch eine Maskenpflicht und schon gar keinen Impfzwang.“

Die Frage, wie die vierte Corona-Welle abgeflacht werden kann, dürfte im Mittelpunkt des Bund-Länder-Gipfels stehen. Am Sonntag wurden 1774 Corona-Infektionen in Österreich, davon 89 in Tirol, registriert. Das war der höchste Wert an einem Sonntag seit April und über dem Schnitt der vergangenen sieben Tage von 1564 neuen Fällen. Drei weitere Todesfälle von Infizierten gab es seit Samstag, in den vergangenen sieben Tagen waren es zwölf und somit bisher 10.793 Opfer seit Pandemiebeginn. Die Spitalszahlen waren im Tagesvergleich stabil, aber insgesamt weiter im Steigen begriffen.

Die Anwendung der G-Regelungen (geimpft, genesen oder getestet) ist vielfach noch unklar. Immer wieder wird die 1-G-Regel für die Nachtgastronomie ins Spiel gebracht. NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker wirft der Regierung hingegen vor, auf die Genesen zu vergessen. „Die Bundesregierung muss aufhören, das zweite G bei ihren ,sehr konkreten Plänen‘ für den Herbst zu ignorieren.“ Als Arzt müsse Mückstein wissen, dass die Immunität Genesener jener von Geimpften um nichts nachstehe. „Statt also immer öfter von 1-G zu fantasieren, müsste die Bundesregierung endlich definieren, welche Antikörpertests anerkannt werden und wo die Schwellenwerte liegen.“

Dass in Innenbereichen die Pflicht zum Tragen der FFP2-Masken wieder verschärft werden könnte, dürfte die Bundesregierung ganz oben auf ihrer Agenda für Mittwoch haben. Möglicherweise auch den Winter, denn die Touristiker forderten in den vergangenen Tagen ein klares Konzept.

Seilbahnsprecher und ÖVP-Nationalrat Franz Hörl steht dem Vorschlag von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein für eine 1-G-Regelung beim Après-Ski jedenfalls nicht ablehnend gegenüber. „Wir wissen, dass Après-Ski die Achillesferse in der Wintersaison ist“, sagt Hörl gegenüber der TT. „Wir benötigen jedoch rasch eine abgestimmte Strategie, das muss noch im September der Fall sein.“

Appell zur Impfung

Für alle Kinder über zwölf Jahren spricht der Direktor der Innsbrucker Kinderklinik Thomas Müller gegenüber der APA eine eindeutige Empfehlung aus, sich impfen zu lassen. Man habe „zigmillionenfache Erfahrungen aus Kanada, den USA und Europa“. „Schwere Nebenwirkungen hat es nicht gegeben.“ Sollte in sehr seltenen Fällen eine milde Herzmuskelentzündung auftreten, könne diese „in wenigen Tagen gut ausheilen“. (pn)


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