Telferin übergab 200 Jahre altes Buch mit Schulnoten

Die 93-jährige Telferin Adeline Holzknecht hat der Marktgemeinde ein 200 Jahre altes Buch übergeben, in dem die Schulnoten von über 2000 Telfer Schülerinnen und Schülern aus dem 19. Jh. verzeichnet sind.

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Adeline Holzknecht und BM Christian Härting blättern im Zeitdokument, das mehr als 150 Jahre am Dachboden überdauerte.
© MG Telfs/Dietrich

Telfs – Ein außergewöhnliches Dokument zur Geschichte von Telfs konnte kürzlich Bürgermeister Christian Härting in Empfang nehmen: Die 93-jährige Telferin Adeline Holzknecht übergab dem Ortschef ein großformatiges, handgeschriebenes Buch, in dem die Namen und Zeugnisnoten von über 2000 Schülerinnen und Schülern verzeichnet sind, die zwischen 1821 und 1862 in Telfs die Dorfschulbank drückten. Die Aufzeichnungen haben auf einem Dachboden mehr als 150 Jahre überdauert.

Rund 980 Buben und 1040 Mädchen sind in dem fast 200 Jahre alten Verzeichnis aufgelistet. Neben den Geburtsdaten und den Namen ihrer Eltern wurden auch die Zeugnisnoten der Kinder sorgfältig notiert.

„Dieses Buch ist eine wertvolle Quelle für die Geschichte von Telfs“, freut sich Härting. Er dankt Adeline Holzknecht, „dass sie es gerettet hat und jetzt der Gemeinde übergibt“. Das Werk wird dem Archiv der Gemeindechronik einverleibt, in dem sich bereits andere Dokumente zum Telfer Schulwesen befinden.

Schon beim ersten Durchblättern stieß der Gemeindechef auf mehrere Schüler namens Härting. Daneben entdeckt man natürlich auch viele andere typische Telfer Familiennamen wie Pöschl, Föger, Neuner, Schilcher, Klieber, Kranebitter, Schatz, Klotz, Hagele, Rattacher, Hechenberger, Scharmer, Staudacher oder Köll. Noten gab es damals für Fleiß, Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen, dazu fallweise Einträge in der Kategorie „Sitten“. Teils finden sich zu Schülern Anmerkungen wie „Hat die Feiertagsschule nachlässig besucht und keine Prüfung gemacht“ oder „Ist fleißig, aber erschien nur sehr selten“.

„Das Buch wurde offenbar angelegt, um die Schulabgänger und die ausgestellten Zeugnisse zentral zu dokumentieren“, meint der Telfer Historiker Stefan Dietrich. „Dass es erhalten geblieben ist, ist ein Glücksfall. Ein so vollständiges, über Jahrzehnte geführtes Verzeichnis hat sicher auch für Tirol Seltenheitswert. Es macht nicht nur Erkenntnisse über das frühe Schulwesen, sondern auch interessante sozialgeschichtliche Rückschlüsse möglich.“ Eine weitere wissenschaftliche Aufarbeitung des Werks wäre also sicher lohnend.

Aufgespürt – und vor der Vernichtung bewahrt – hat Holzknecht das Buch am Dachboden ihres ehemaligen, vor Jahren abgerissenen Hauses in der Pfarrer-Gritsch-Straße, wo früher die Lehrer- und Musikerfamilie Kircher lebte. Dort hat sie auch umfangreiches Dokumentar- und Notenmaterial aus dem Besitz der Musikerdynastie sichergestellt und schon vor einiger Zeit an Experten des Ferdinandeums übergeben. Diese haben die Unterlagen aufgearbeitet und eine Publikation darüber verfasst. (TT, md)


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