Zurück zu den Wurzeln, die keine sind: Neues von 5K HD

Zwei Platten, ein Experiment: 5K HD geben sich auf „Creation eats creator“ erstmals akustisch. Mira Lu Kovacs geht den anderen Weg.

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Alles in Handarbeit: Die neue Platte des Wiener Quintetts um Frontfrau Mira Lu Kovas ist rein akustisch.
© Hanna Fasching

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Zu den Konzerten von 5KHD stürmten (auch in Tirol) Musikbegeisterte, weil die Band auf ihre eigene Art elektrisierte. Der Auftritt der Avantgardepopper ist Spektakel, eine futuristisch-minimalistische Lichtshow gepaart mit experimentellen Elektrorhythmen. Da krachte, dröhnte und schepperte es aus den Lautsprechern, über alledem schwebte die glasklare Stimme von Mira Lu Kovacs. Ganz so darf man sich den Musikherbst mit 5KHD nicht vorstellen. Jedenfalls nicht, wenn man das neue, am Freitag erscheinende Album des Wiener Quintetts auflegt. Statt elektronischer Drummachine wird auf handelsübliches Schlagwerk gedroschen, Klaviertasten gedrückt und Trompeten geblasen. Ja, 5KHD hat ein reines Unplugged-Album aufgenommen. Die dazugehörige Tour bringt die Combo auch nach Tirol.

Im Treibhaus hat 5KHD bereits im Juni ihr Unplugged-Debüt gegeben, Ende Oktober kehren sie zurück. Ohne komplett neues Musikmaterial, denn das Album „Creation eats creator“ plündert lieber im eigenen Liedarchiv. Sechs der neun Stücke entstammen dem Erfolgswerk „High Performer“ (2019). Jetzt werden sie in ein akustisches Gewand gekleidet.

Man trifft etwa auf das ikonische „Crazy Talk“, das jetzt eben von einer Trompete (Martin Eberle) vorwärtsgetrieben wird. Das ist beim epischen „In, Out“ und seinen Broken Beats gar nicht so einfach und gelingt trotzdem: Die Drummachine wird von Andreas Lettner mit mehrfach gestapelten Schlagzeug-Becken imitiert. Ihm dicht auf den Fersen ist der Kontrabass, den Manu Mayr mit den Fingernägeln zum Schnarren bringt. Während der Klavierkörper (Benny Omerzell) mit Magneten und Filz aufgemotzt ein metallisches Krächzen von sich gibt.

All diese Handarbeit kulminiert im genialen „What If I“, aus dem Debütalbum „And To In A“ (2017). Gerade weil die Komposition aufs Minimalste reduziert wird, tritt die Qualität noch einmal richtig zum Vorschein. Die komplexen Rhythmen klingen leicht und flockig und im Gegensatz zu ihren elektronischen Pendants warm und losgelöst.

Für 5KHD, die dem Experiment seit ihrer Gründung nie abgeneigt sind, bedeutet „Creation eats creator“ zurück zu den Wurzeln, die gar keine sind. Denn akustisch hat es das Quintett nie gegeben, erklärt Frontfrau Mira Lu Kovacs vor Kurzem im Interview. „Man reduziert sich, wodurch es spannend wird. Wir gehen damit aber eigentlich eher vorwärts“, ergänzt Bassist Mayr. Und meint damit wohl auch, dass die Kompositionen sich weitgehend von der ursprünglichen Ausrichtung der Formation abgekoppelt haben, die Band frisst sich selbst auf und lässt gleichzeitig daraus Neues entstehen.

Einen Blick zurück in Richtung Zukunft wagte Mira Lu Kovacs vor Kurzem auch in ihrer Solokarriere. Mit „Breakables“ legte sie Anfang August eine EP vor, auf der sie Varianten ihrer normalerweise rein akustischen Songs versammelt. Festgehalten wurde etwa die beeindruckende Live-Version von „Stay a Little Longer“, die sie zur Eröffnung der Wiener Festwochen gemeinsam mit u. a. Lukas Lauermann und dem Koehne Quartett aufführte. Eine zunächst zerbrechliche Komposition, die sich episch auswächst. Geht aber auch anders, beweist der Remix des Wiener Produzenten „Theory of Me“. Da ist sie wieder, die nervöse Drummachine, die sonst zum Standardwerk von 5KHD gehört. Noch cooler ist da nur Marco Kleebauers (Leyya) Remix von Kovacs’ „Stuck“, der die EP sommerlich ausklingen lässt. Eindeutiges Fazit: Beide Platten sind gelungene Experimente.

Acoustic: 5KHD: Creation eats creator. fiveK Records

Remix: Mira Lu Kovacs: Breakables. Play Dead Records

Live: 5KHD am 21.10. im Treibhaus, Innsbruck; Mira Lu Kovacs solo am 29.10. im Stromboli, Hall.


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