Tiroler Kulturjournalistin Ursula Strohal im Alter von 71 Jahren verstorben

Die Grande Dame des Tiroler Kulturjournalismus ist nach schwerer Krankheit verstorben.

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Ursula Strohal prägte die Kulturberichterstattung dieser Zeitung seit den 1970er-Jahren maßgeblich. Nun ist sie 71-jährig gestorben.
© Larl

Innsbruck – Fast 50 Jahre lang war sie ein Spiegel des kulturellen Lebens in Tirol und weit darüber hinaus. Als Kulturredakteurin war sie eine Institution. Ihr Name ist unzertrennlich mit der Tiroler Tageszeitung verbunden. Daran kann auch ihr Tod nichts ändern. Ursula Strohal ist am Sonntag im Alter von 71 Jahren nach schwerer Erkrankung gestorben.

Theater, vor allem aber die Oper und klassische Musik waren ihr Leben – bis zuletzt. Als sie spürte, dass ihre Kraft im Kampf gegen die Krankheit zu Ende ging, machte sie sich noch Gedanken über die Musik, ein Streichquartett sollte sie auf ihrem letzten Weg begleiten.

Schubert und Bach waren ihre Favoriten, doch umfassend war ihr Wissen, egal, ob nun eine Barockoper oder experimentell Modernes auf den Notenpulten lag. Ursula wusste stets bis ins kleinste Detail Bescheid und ließ die TT-Leserschaft über Jahrzehnte daran Anteil haben. Das Tiroler Kulturpublikum kannte sie, viele begrüßten sie, fragten sie nach ihrer Meinung. War sie nicht da, wie zuletzt aus Krankheitsgründen, fehlte jemand im Konzertsaal. Dort wird sie nun für immer schmerzlich vermisst.

Ursula war selbst umfassend musikalisch gebildet, Gesang, Klavier, ein Studium der Musikwissenschaften. Wie vielen in unserer Branche kam ihr dann der Journalismus dazwischen. Dieser gleichermaßen fordernde wie faszinierende Beruf ließ sie nicht mehr los, seit sie Mitte der 70er-Jahre in der TT-Kultur ihre Laufbahn als Redakteurin begann. Bis zu ihrem Tod blieb Ursula der TT als freie Mitarbeiterin treu.

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Ein Sommer ohne Berichte aus Erl, von den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik oder aus Salzburg – das war für Ursula undenkbar. „Ich konnte im Sommer wegen der vielen Kulturtermine kaum auf Urlaub fahren, dafür hatte ich die Musik“, resümierte sie einmal.

Kritik trug sie in ihren Berichten mit feiner Klinge vor. Sie schrieb respektvoll und wurde respektiert. Nie drängte sie sich in den Vordergrund. Die Bühne überließ sie anderen, auch im Berufsleben.

Verlag und Redaktion der Tiroler Tageszeitung trauern um eine hochgeschätzte Mitarbeiterin. Unser tief empfundenes Mitgefühl gehört Ursulas Familie mit ihrem Mann Herbert und Tochter Annavera. (mark)


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