Gerichtssplitter: Tiroler verspielte online Geld, täuschte Raub vor

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Ein Tiroler hatte im Juni einen Raub angezeigt und damit eine Großfahndung samt Straßensperren ausgelöst.
© Rachlé

Wegen falscher Beweisaussage musste sich gestern ein junger Arbeiter am Landesgericht verantworten. Keine Kleinigkeit – stehen auf das so genannte Delikt gegen die Rechtspflege doch bis zu drei Jahre Haft. Grund zur Sorge für den Angeklagten, dessen Falschaussage vor der Polizei im Juni auch noch weitreichende Konsequenzen hatte.

So hatte der Mann damals angezeigt, dass er soeben auf der Straße ausgebremst und danach von den mit einer Eisenstange bewaffneten Autoinsassen ausgeraubt worden sei. Die Polizei reagierte sofort und leitete eine tirolweite Rasterfahndung nach einem silbernen BMW samt Straßensperren ein. Umsonst, war der Vorfall doch frei erfunden.

Vor Richter Bernhard Rüßkamp zeigte sich der Angeklagte nicht nur geständig, sondern erläuterte dem Gericht auch das Motiv. Demnach war der Mann im Lockdown zum Online-Spieler geworden und hatte derart 20.000 Euro verloren. Dies freilich ohne Wissen der Freundin, der die Spielverluste über den vorgetäuschten Raub auch weiter verborgen bleiben sollten. Aufgrund des großen emotionalen Drucks plädierte Verteidiger Rainer Wechselberger, seinem noch unbescholtenen Mandanten eine Diversion zu gewähren.

Dies lehnte Richter Rüßkamp bei einem Delikt gegen die Rechtspflege ab. So ergingen nicht rechtskräftig 3600 Euro Geldstrafe. Bei der Polizei werden für die „Räubersgschicht“ übrigens noch rund 8000 Euro an Aufwandsersatz fällig. Da bat Verteidiger Wechselberger dann erfolgreich, doch wenigstens die Gerichtsgebühren nachzusehen.

Falsch verstandene Loyalität zu einem Freund trieb gestern eine 46-Jährige nach falscher Beweisaussage ans Landesgericht. Im Mai hatte die Dame in reichlich alkoholisiertem Zustand bemerkt, dass ihr Freund plötzlich mit einem Veilchen am Auge am Boden lag, und bezichtigte einen nahestehenden Gast der Gewalttat. Schließlich habe sie das Geschehen genau verfolgt – hatte die 46-Jährige bei der Polizei damals bezeugt.

Erst im Prozess am Landesgericht sei ihr klargeworden, dass ihre gesamte Aussage zum Tatablauf eigentlich auf Schlussfolgerungen vom Hörensagen beruhte. Wenig glaubhaft für den Staatsanwalt, da die einstige Zeugenaussage bei der Polizei zeitnah nach der Rauferei erfolgt war. Ein dahingehendes, spätes Geständnis ermöglichte dem Gericht eine Geldstrafe von gerade 1200 Euro. (fell)


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