Seelen heilen auf der Säule: Italien ehrt Dante Alighieri zum 700. Todestag

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Dante Alighieri gilt als Vater der italienischen Sprache.
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Ravenna – Der Todestag Dante Alighieris jährt sich am 14. September zum 700. Mal. Italien feiert seinen „sommo poeta“, seinen „höchsten Dichter“, der mit der „Göttlichen Komödie“ ein Jahrtausendwerk schuf, schon seit Monaten mit Ausstellungen, Konferenzen und Symposien. Selbst das poesiebefreite Privatfernsehen schuf Platz für Dante. Schließlich gilt es, den Vater des Italienischen hochleben zu lassen.

Gestorben ist Dante 1321 in Ravenna. Geboren wurde er 56 Jahre vorher in Florenz. Dort wuchs er auf und schrieb seine ersten Werke, die „Rime“ zum Beispiel und „Vita Nova“. Politische Verwerfungen trieben ihn 1302 ins Exil. Erst dort fand die „Commedia“ ihre Form.

Der Streit zwischen Florenz und Ravenna, wer nun Dante-Stadt sei, wurde inzwischen beigelegt – und der Dichter zur nationalen Ikone, zum Symbol der Einheit eines oft tief gespaltenen Landes. In der Corona-Zeit sollte der Säulenheilige Seelen heilen. Schließlich hat er in der „Commedia“ einen Weg aus der Hölle ins Paradies gefunden. „Dante ist die Idee von Italien selbst“, sagt Italiens Kulturminister Dario Franceschini. Und wer die Feierstimmung stört, erntet Empörung. Als Dante von der Frankfurter Rundschau kürzlich vom Originalgenie zum genialen Veredler fremder Ideen herabgestuft wurde, versetzte der – laut La Repubblica – „unglaubliche Angriff aus Deutschland“ das offizielle Italien, das linke wie das rechte, in hellste Aufregung. Ein Sturm im Wasserglas. Er ebbte schnell ab. Trotzdem: Wenn es um die Ehre Dantes geht, scheint das Land tatsächlich geeint. Das schafft sonst nur der Fußball. (jole)


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