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Das Imperfekte im Perfekten: Komponistin Adriana Hölszky im Porträt

Komponieren sei ein bisschen wie Bergsteigen, sagt Adriana Hölszky. Die nun startenden Klangspuren widmen der renommierten Komponistin heuer einen Schwerpunkt. Ein Porträt.

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Adriana Hölszky wurde 1953 in Bukarest geboren. Seit 1976 lebt und arbeitet sie in Deutschland.
© Böhm

Von Joachim Leitner

Innsbruck – Der große Komponist Hans Werner Henze lobte auf seine Weise. Zuhörerinnen und Zuhörer von Adriana Hölszkys Musik würden provoziert und gestört, sagte er. Und: „Es wird ihnen auf die Nerven gegangen, an die Nieren.“ Genau das hat Henze Anfang der 1980er-Jahre an den Arbeiten der damals noch wenig bekannten Hölszky interessiert. „Er mochte die Plastizität meiner Partituren“, erinnert sich Hölszky. Deshalb bat er um ein Treffen. Hölszky kam – und stellte Henze vor ein Rätsel. „Er wollte wissen, was ich über Musiktheater dachte“, sagt sie. „Ich war ehrlich – und sagte: ‚nichts‘.“ Einen Kompositionsauftrag für seine erste Münchner Musiktheater-Biennale gab er ihr trotzdem. Und er schickte sie auf die Suche nach möglichen Librettisten: Franz Xaver Kroetz hatte keine Zeit; Thomas Brasch fiel nichts ein, er riet Hölszky, Cicero zu lesen. Letztlich landete sie bei Thomas Körner – und bei Rainer Werner Fassbinders Mörderinnen-Trauerspiel „Bremer Freiheit“. 1988 kam es als „Singwerk für ein Frauenleben“ zur Uraufführung. Es machte Adriana Hölszky mit einem Schlag berühmt. Jedenfalls in der Opernwelt.


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