Volkskunstmuseum: Spiel mit Idyllen und deren Kehrseiten

„Im Schein von Rauch und Flamme“ nennt Florian Raditsch seine Intervention in den alten Stuben des Tiroler Volkskunstmuseums.

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Mit Waldbränden aufgewachsen: Der Kalifornier Florian Raditsch.
© R. Strobl

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Diese Ausstellung bedeute für ihn fast so etwas wie eine Heimkehr, sagt Florian Raditsch. Hat der Kalifornier, der seit seinem Studium an der Angewandten in Wien lebt, doch u. a. Wurzeln in Tirol. Und als vor sechs Jahren in der Kulturzeitschrift Quart einige seiner in Tirol entstandenen Baumzeichnungen veröffentlicht worden sind, ist der Leiter des Volkskunstmuseums, Karl Berger, auf ihn aufmerksam geworden und hat ihn zu einer – von Rosanna Dematté kuratierten – Personale eingeladen.

Ihr Spielort sind die historischen Stuben, in die Raditsch einen viele Meter langen roten Blitz spektakulär hat einschlagen lassen. Ob er damit einen realen oder eher einen Geistesblitz meint, lässt der 34-Jährige allerdings offen. Ambivalent in ihrer verblüffend zwischen Schein und Sein lavierenden Haptik kommt auch die Tänzerin daher, die in einer der Stuben das Entstehen eines Waldbrands vom ersten Funkenflug bis zur finalen Todesstille zum aufregenden Ritual stilisiert. Was ganz typisch für das Narrativ dieser ebenso klug wie augenreizerisch effektvoll mit aktuellen genauso wie archaischen und kunsthistorischen Bezügen spielenden Intervention Raditschs ist. In der es um Werden und Vergehen genauso geht wie um Idyllen und deren Kehrseiten, um Mythisches und Naturgewaltiges.

Wenn der Künstler etwa aus den Rinden durch Brände verkohlter Bäume so etwas wie Masken macht oder aus Millionen von winzigen Kohlestrichen den Setzling eines Mammutbaums, eines der ganz wenigen Gewinner von Waldbränden, liebevoll porträtiert, ist die Hitze des Feuers doch für deren Fortpflanzung essenziell. In anderen Bildern taucht Raditsch dagegen farblich wie formal ganz in die Ästhetik der späten 1920er-Jahre ein, kombiniert mit Hörstationen, in denen alte Natur-Geschichten erzählt werden.

Volkskunstmuseum

Universitätsstraße 2, Innsbruck; bis 23. Jänner, täglich 9–17 Uhr


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