Rätselhafte „Medea“ mit Happy End im Theater in der Josefstadt

Grillparzers Antiken-Ausdeutung im Theater in der Josefstadt.

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Überzeugend: Sandra Cervik als Medea.
© APA/Schlager

Wien – Joseph II. befahl dem Burgtheater den so genannten „Wiener Schluss“, die Adaptierung trauriger Bühnenwerke, um das illustre Publikum nicht zu verstören. Ob Regisseur Elmar Goerden, dem das Theater in der Josefstadt in den vergangenen Jahren einige große Produktionen verdankte, sich dieser historischen Fußnote bewusst war, sei dahingestellt. Allemal endet seine am Donnerstag an der Josefstadt zur Premiere gebrachte Grillparzer-Medea in einem höchst lebendigen Familien-Picknick mit wiederauferstandener Kreusa und fröhlichen Medea-Söhnchen.

Abgeschlankt auf pausenlose 100 Minuten spielt sich auf einer bis auf einige Versatzstücke wie Pflanzen und Gartendusche kargen Bühne (Silvia Merlo/Ulf Stengl) ein streckenweise recht dicht auf Flucht, Entfremdung und Anpassung fokussiertes Drama ab, dessen Kraft durch sonderbare Ideen – siehe Schluss – jedoch gemindert wird.

📽️ Video | „Medea" im Theater in der Josefstadt:

Überzeugend stellt Sandra Cervik die Kindsmörderin Medea vor, selbstbewusst, eine Kämpferin mit rauchigem Timbre, die als Mutter und Ehefrau geben möchte und doch weiß, dass sie ihre Grenzen hat, ja haben muss. Den Jason an ihrer Seite gibt Joseph Lorenz, elegant, geschmeidig und grausam schwach, wenn er sich, seine aus dem „barbarischen“ Kolchis stammende Gattin Medea verratend, mit seinen dressierten Söhnen König Kreon andient, um Aufnahme in Korinth zu finden.

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Rätseln darf man, warum die Rolle von Medeas Amme Gora mit Michael König besetzt wurde, den Kostümbildnerin Lydia Kirchleitner zudem mit einem unfreiwillig komischen Outfit zwischen Sitting Bull und Tiroler Altbäuerin versehen hat. In dieser Beziehung ebenso seltsam „verkleidet“ ist Kreons Tochter Kreusa. Als diese muss Katharina Klar, schön angelegt als junge, Medea gegenüber interessierte wie intrigante Gegenspielerin – schließlich wird sie Jason freien – in ein Waschbärenkostüm schlüpfen. Freude bereitet auch Wolfgang Hübsch, der seinem König Kreon eine joviale Gefährlichkeit verleiht, die schaudern lässt. Lang anhaltender Applaus am Ende eines zwiespältigen Abends. (lietz)


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