Jakob Gapp: Ein unbeugsamer Wattener, der bis heute inspiriert

Die Seligsprechung des Priesters und NS-Gegners Jakob Gapp jährt sich heuer zum 25. Mal. Sogar ein eigener Comic wird bald an ihn erinnern.

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1943 von den Nazis ermordet: Pater Jakob Gapp aus Wattens.
© Domanig

Von Michael Domanig

Wattens – Der 24. November 1996 hat sich bei vielen Wattenerinnen und Wattenern tief eingeprägt: Denn an diesem Tag wurde Pater Jakob Gapp – gemeinsam mit Otto Neururer (1882–1940) – in Rom von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Beide Tiroler Geistlichen hatten für ihren unbeugsamen Widerstand gegen die NS-Diktatur mit dem Leben bezahlt.

Gapp, 1897 in Wattens in eine Fabrikarbeiterfamilie geboren, besuchte das Franziskanergymnasium in Hall. Er meldete sich im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger zu den Standschützen, geriet in Kriegsgefangenschaft, brachte von dort u. a. auch sozialistische Ideen mit heim. 1920 trat er in den Orden der Marianisten ein, 1930 empfing er die Priesterweihe.

Als Lehrer, etwa in Graz oder Reutte, machte er aus seiner Ablehnung des Nationalsozialismus keinen Hehl, was ihm schließlich ein Unterrichtsverbot eintrug. Am 13. Dezember 1938 verurteilte er die NS-Ideologie bei einer folgenschweren Predigt in der Wattner Laurentiuskirche erneut scharf. In der Folge musste er aus Tirol fliehen und gelangte über Frankreich nach Spanien – wo er sich weiter gegen die Nazis engagierte. Doch im November 1942 lockten ihn deutsche Agenten ins besetzte Frankreich und entführten ihn weiter nach Berlin. Gapp wurde wegen „Landesverrats“ zum Tode verurteilt und am 13. August 1943 in Berlin-Plötzensee enthauptet.

Dichtes Veranstaltungsprogramm geplant

Das 25-Jahr-Jubiläum der Seligsprechung begehen die Marktgemeinde und die Pfarre Wattens nun mit einem dichten Veranstaltungsprogramm. Den Auftakt bildet am heutigen Samstag um 20 Uhr ein Konzert unter dem Motto „Jesu meine Freude“ in der Laurentiuskirche (mit Maria Ladurner, Martin Riccabona und Norbert Salvenmoser).

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In den kommenden Wochen folgen u. a. geistliche Abendmusik in der Marienkirche (17. Oktober), ein Vortragsabend mit der bekannten Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle unter dem Motto „Jakob Gapp nachfolgen – wachsam gegen den Rechtspopulismus“ (16. November, Museum Wattens) oder ein Festgottesdienst mit Bischof Hermann Glettler am 21. 11. in der Marienkirche.

Dabei ist auch Platz für außergewöhnliche Zugänge: Ein eigener Comic über Gapps Leben und Wirken steht vor der Fertigstellung, mit Texten von Hannes Erler und Zeichnungen von Alwin Hecher.

„Wir haben nach einer zeitgenössischen Form der Annäherung an Gapp gesucht“, berichtet Erler, der zur Zeit der Seligsprechung 1996 Pfarrgemeinderatsobmann und Teil einer 300-köpfigen Wattner Abordnung in Rom war. „Wir wollen so auch eine junge Zielgruppe ansprechen.“

Zu Gapp gebe es schon einen spanischen Comic, an den man sich anlehne. Der 44-seitige Band wird aber komplett neu gezeichnet, versehen mit vielen Originalzitaten Gapps und vielen Originalschauplätzen. „Uns hat interessiert: Wie wird man zum Märtyrer?“, sagt Erler. „Wie war Gapps Werdegang? Wie ist es ihm gelungen, den Nationalsozialismus zu durchschauen? Und was lernen wir heute daraus?“ Der Gapp-Comic soll im November in Druck gehen.


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