Alle Lkw ohne Verbrenner ab 2035 laut Tiroler Logistiker „unrealistisch“

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Ohne Verbrennungsmotor sind in Österreich erst 20 Lkw über 3,5 Tonnen zugelassen.
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Innsbruck, Wien – Derzeit sind in Österreich laut zuständigem Ministerium für Umwelt und Verkehr rund 4500 emissionsfreie Lkw unter 3,5 und 20 Lkw über 3,5 Tonnen zugelassen. Dass, wie im Mobilitätsmasterplan festgelegt, ab 2030 alle neu zugelassenen Fahrzeuge unter 18 Tonnen emissionsfrei unterwegs sind und ab 2035 dieses Ziel auch bei Lkw über 18 Tonnen erfüllt wird, bezweifelt man in der Transportbranche.

„Dieses Ziel ist unrealistisch“, meint Alois Schrettl vom Tiroler Unternehmen Berger Logistik. Im Nahverkehr kann er sich vorstellen, dass Schritt für Schritt E-Lkw eingesetzt werden, „im Fernverkehr wird das unmöglich sein. Die Reichweiten der E-Lkw sind zu gering und es ist logistisch nicht machbar, dass Hunderte oder Tausende Lkw gleichzeitig an einer Tankstelle ihre Batterien stundenlang aufladen. Dazu kommt, dass die Akkus rund 2000 Kilogramm wiegen und das Ladegewicht dementsprechend reduziert werden muss. Weniger Ladung bedeutet mehr Lkw auf den Straßen und das will auch niemand. Hier kann ich mir nur die Wasserstofftechnologie vorstellen“, so Schrettl.

In der Tiroler Wirtschaftskammer bezeichnet man den Mobilitätsmasterplan „sowieso schon als sehr ambitioniert. Für den Nutzfahrzeugbereich sind die Herausforderungen aber noch größer. Ich sehe ihn eher als Motivation dafür, wohin die Reise gehen soll“, sagt Rebecca Kirchbaumer, Spartenobfrau Transport und Verkehr. Auch wenn es in Sachen E-Mobilität viele Innovationen gebe, „haben wir noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. So tut sich z. B. sehr viel bei der Batterietechnologie, aber gerade was das Gewicht betrifft, gibt es Luft nach oben“, erklärt Kirchbaumer. Während es im Nahverkehr „bis 3,5 Tonnen bereits ganz schöne Flotten gibt, haben wir im Fernverkehr noch nicht die Reichweiten, die man braucht. Auf dem Papier schaffen größere Lkw bis 300 Kilometer, in der Realität sind es aber nicht mehr als 100 Kilometer. Gerade die Steigungen und die extremen Witterungsverhältnisse in unserem alpinen Raum belasten nämlich die Batterien.“ Dazu komme die Problematik des Ladevorgangs, „der viel zu lange dauert bei Fahrzeugen, die rund um die Uhr im Einsatz sind“. Auch die Wirtschaftskammer sieht im Fernverkehr emissionsfreie Modelle im Wasserstoffbereich. „Aber sogar hier ist der Mobilitätsmasterplan irreal, bis 2025 wird es wahrscheinlich erst ein paar Pilotversuche geben.“ Zuerst müssten Fragen „z. B. rund um die Betankungslogistik und Reparatur geklärt werden“.

Im Ministerium zeigt man sich natürlich optimistischer: „Daimler Trucks rechnet bis 2030 mit ca. 40 bis 60 Prozent emissionsfreien Lkw bei den Neuzulassungen. Das passt auch gut zu den Zielen aus dem Mobilitätsmasterplan“, so Pressesprecher Florian Berger. (wa)

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