Das TT-Café in Reutte war Ort der Entschleunigung

Von Raketenwissenschaften über künftige Ex-Dorfchefs bis hin zu boomenden Firmen und herz- ergreifendem Gesang spannte sich der Bogen.

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Hatten am Samstagvormittag bei ihren Auftritten gut lachen: die Bürgermeister Helmut Schönherr (l., Pflach), Günter Salchner (Reutte) und Vinzenz Knapp (r., Höfen).
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Von Helmut Mittermayr

Reutte – Strömten die Besucher des TT-Cafés in Reutte zum Start um Punkt neun Uhr noch zaghaft in Richtung Isserplatz, so war bald Vor-Corona-Niveau erreicht und die Frühstückstour bestens besucht. Chefredakteur Luis Vahrner interviewte die Gesprächspartner, Judith Nagiller übernahm die Moderation und die Gruppe Prime Time sorgte wie jedes Jahr für die gemütlichen Klänge. Als musikalischer Leckerbissen sollte sich der spontane Gig der Gruppe Lechufer herausstellen. Beim Auftritt von Celina Perl und Christof „Rissi“ Kammerlander wurde es ruhig am ganzen Platz. Das Publikum hing an den Lippen der jungen Sängerin. Großer Applaus brandete auf. Perl erklärte auf der Bühne, dass im nunmehr zweiten Album sehr persönliche Texte von Verlust bis Liebe und Heimatliebe zentral seien. Längst von Radios gespielt, sind die Songs trotz ihrer Lechtaler Tonalität gut zu verstehen.

Im Foto-Doppelpack vor dem großen Auftritt: Christof Kammerlander und Celina Perl von der Band „Lechufer“.
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Auch das Publikum – wie im Bild die Familie Kaiser aus Reutte – hatte seinen Spaß und konnte Erinnerungsfotos von der Veranstaltung mit nach Hause nehmen.
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Reuttes (neuer) Bürgermeister Günter Salchner erzählte, dass der Sprung ins kalte Wasser sehr herausfordernd gewesen sei. „Ein unglaublich komplexer Aufgabenbereich, in den ich mich sehr schnell eingearbeitet habe. Es macht große Freude.“ Sein Wunsch für Reutte: ein qualitätsvolles und harmonisches Miteinander. Unter anderem, indem der öffentliche Raum barrierefrei werden soll. Gerade stehe etwa eine Begehung mit dem Blindenverband an. Salchner hofft, dass das respektvolle Miteinander im Gemeinderat die Wahlen überlebt. Seine Liste sei total unabhängig. Ideologisch wünsche er sich niemand von den Rändern, weder von rechts noch links.

Schnell war Full House beim TT-Café in Reutte. Frühstück, Smalltalk und Diskussionen wurden sichtlich genossen.
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Burgenchef Armin Walch freute sich über Entdeckungen im archäologischen Bereich auf Ehrenberg. So sei die Zisterne gefunden worden, auch die alte Toranlage aus dem Jahr 1293 wurde freigegraben. Walch, derzeit Obmann der Regionalentwicklung Außerfern, wusste auch, dass unter 18 Bewerbern die Deutsche Lena Schröcker ausgewählt wurde. Sie soll Anfang 2020 starten und im Sommer die Geschäftsführung übernehmen. Leader-Förderungen von 930.000 Euro fürs Außerfern seien gerade freigegeben worden.

Armin Walch freut sich über Funde auf Ehrenberg.
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Das Pflacher Gemeindeoberhaupt Helmut Schönherr machte beim TT-Café öffentlich, dass er nach 18 Jahren als Gemeinderat und weiteren 18 Jahren als Bürgermeister nicht mehr antreten wird. Und bekannt humorig: „Nach drei Bypässen, einem Stent und 1500 Pflachern im Rücken mag’sch num.“ Zuständig sei man bei Bürgern vom rostigen Kanaldeckel bis zu jedem einzelnen Regentropfen. Pflach sei bei der Einwohnerzahl in seiner Ägide so stark gewachsen, dass „eine Eingemeindung von Musau oder Pinswang gar nicht aufgefallen wäre“. Auch Bürgermeisterkollege Vinzenz Knapp lässt es nach 18 Jahren als Dorfchef. Ihn „verfolgten“ Hahnenkamm und Flugplatz, aber nun hätten sich beide Problemfelder vollkommen entspannt. Gerade die neuen Partner am Hahnenkamm würden Freude bereiten. 2022 werden am Berg 6,7 Millionen Euro investiert. Lachend: „Dass man als Bürgermeister ein öffentlicher Mensch ist, hat sich bei einer Personenabfertigung mitten in der Türkei gezeigt. – Sie sind doch der Höfener Bürgermeister!“, hieß es plötzlich in Anatolien.

... als auch Reuttes Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf.
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Bester Laune waren sowohl TT-Chefredakteur Luis Vahrner ...
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BH Katharina Rumpf sah bei der Frage nach Vereinbarkeit von Job und Familie keine Sonderstellung: „Hier hat jede Frau mit Kindern das gleiche Thema, unabhängig von der Funktion.“ Sie setze Prioritäten für die Familie. So seien Abendveranstaltungen die absolute Ausnahme, „auch wenn das nicht immer allen gefällt.“ Das Corona-Contact-Tracing habe alle in der BH Reutte die letzten eineinhalb Jahre extrem gefordert: „Teils waren 76 von 91 Mitarbeitern dafür zuständig. Klar, das war keine Raketenwissenschaft. Aber mit Menschen reden und auf ihre Schicksale eingehen war sehr herausfordernd.“

Die glücklichen Gewinner der Verlosung: Anna Wallner (Kaffeemaschine) und Anton Eisele (Einkaufsgutschein) mit Günther Neyer (l., Wedl/Testa Rossa) und Manuela Kofler (r., TT-Marketing).
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Koch-Media-Vorstand Reinhard Gratl zeigte das besondere Wachstum der Gruppe mit Headquarter Höfen seit 2018 auf. Der Mitarbeiterstand in dreieinhalb Jahren weltweit von 800 auf 2200 angestiegen, den Umsatz jährlich um 25 Prozent gesteigert – 460 Millionen im Jahre 2020. Allein 1400 Personen tüfteln in Entwicklungsstudios an Computerspielen. Ein kürzlich herausgebrachtes Spiel der schwedischen Gruppe hat die Investitionskosten allein im ersten Monat des Erscheinens 79-fach hereingespielt.

Wirtschaftliche Aushängeschilder: Roland Wolf (l., Rolf Spectacles) und Reinhard Gratl (CFO Koch Media Group).
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Für Rolf-Spectacles-Chef Roland Wolf war ein Erfolgsrezept das „Sich-treu-Bleiben bis in letzter Konsequenz“. Gerade in letzter Zeit häufen sich nun beim Brillenhersteller aus Weißenbach die Nominierungen für internationale Preise. Denn Innovation und Nachhaltigkeit sind die Themen im Unternehmen. „Und nun läuft der Zeitgeist in diese Richtung“, sagt der Mann, der Menschen inzwischen auch Bohnen auf die Nase setzt. „Wir sind eine coole Firma“, so der coole Chef.


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