Corona durchkreuzte das 600-Jahr-Jubiläum der Residenzstadt

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Der Blick von der Herzog-Friedrich-Straße aufs Goldene Dachl.
© Domanig

Innsbruck – Im Jahr 2020, darauf haben historisch interessierte Zeitgenossen die TT nun aufmerksam gemacht, hätte Innsbruck ein durchaus bedeutsames Jubiläum zu begehen gehabt: 600 Jahre Erhebung zur Residenzstadt. Denn ab 1420 verlegte Herzog Friedrich IV. (1382–1439), bekannt als „Friedl mit der leeren Tasche“, die landesfürstliche Residenz von Meran nach Innsbruck. Unter ihm – der trotz seines Beinamens und einiger Finanzkrisen einer der reichsten Fürsten seiner Zeit war, gerade in seinen späteren Lebensjahren – erlebte Innsbruck eine Blütezeit. Als Tiroler Landesfürst ließ Friedrich IV. etwa den Neuen Hof errichten, zu dem heute auch das Goldene Dachl gehört. Das berühmte Wahrzeichen selbst wird ebenfalls oft „Friedl“ zugeschrieben, entstand in Wahrheit aber erst im Auftrag seines Großneffen Maximilian I., unter dem Innsbrucks Bedeutung als Residenzstadt der Habsburger weiter steil anstieg.

Jedenfalls war 1420 für Innsbruck zweifellos ein sehr folgenreiches Jahr – weshalb sich die Frage stellt: Hat man das 600-Jahr-Jubiläum in Innsbruck im Vorjahr etwa vergessen bzw. übersehen? Keineswegs, wie Renate Ursprunger vom Stadtarchiv/Stadtmuseum betont: Tatsächlich sei in Kooperation mit dem Tiroler Landesarchiv eine Ausstellung geplant gewesen. „Doch dann kam Corona dazwischen“ – und die Pläne für die Jubiläumsschau wurden angesichts drastisch verschobener Prioritäten nicht mehr weiterverfolgt. Ziel sei nun, das Thema Residenzstadt 2022 in Form einer gemeinsamen Ausstellung im Stadtarchiv nachzuholen.

Wie Ursprunger weist auch die Historikerin Gertraud Zeindl vom Tiroler Landesarchiv darauf hin, dass sich die Verlegung nach Innsbruck ohnehin nicht an einem ganz bestimmten Datum oder einem ganz bestimmten Dokument festmachen lässt: „Für 1420 liegen erste Quellen vor, die eine Verschiebung der einzelnen Behörden von Meran nach Innsbruck nachweisen“, erklärt Zeindl. „Daher hat man sich auf dieses Datum geeinigt. Es war allerdings ein jahrelanger Prozess.“

Ein knackiger Slogan wie „600 Jahre Landeshauptstadt Innsbruck“ wäre als Überschrift für das Jubiläum erst recht nicht gerechtfertigt gewesen: Denn formal und offiziell blieb Meran bis 1848/49 Landeshauptstadt.

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Wer näher in diesen Teil der Stadt- und Landesgeschichte eintauchen will, sei auf eine Führung zum Thema „Residenzstadt, Adelssitze und Handwerksbetriebe“ am 14. November verwiesen. Start ist um 10 Uhr im Stadtarchiv/Stadtmuseum, Restkarten sind noch erhältlich (Tel. 0512/5360-1400 oder post.stadtarchiv@innsbruck.gv.at). (md)


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