„Statusmeldungen“: Der Zustand zwischen Beisl und Bachmann-Preis

Wenn es besonders lustig wird, wird’s unbequem: Das Innsbrucker Theater praesent hat Stefanie Sargnagels „Statusmeldungen“ dramatisiert.

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Mit Stimmkraft und Körpereinsatz: Michaela Senn, Elke Hartmann und Florian Mania (v. l.) in „Statusmeldungen“.
© Daniel Jarosch

Von Joachim Leitner

Innsbruck – Wer sich für den reinen Plot interessiert, kann in diesem Fall auch ins Kino gehen und sich „Sargnagel – Der Film“ ansehen. Auch dort wird recht schön und mitunter ziemlich witzig nacherzählt, wie Stefanie Sargnagel von der kunststudierten Call-Center-Mitarbeiterin zur publikumspreisgekrönten und folglich publikumsverlagstauglichen Autorin mit Lesereisenmelancholie wird. Die Film-Sargnagel wird dabei von der echten Stefanie Sargnagel gespielt. Ein zentraler Aspekt des Sargnagel’schen Werk bleibt aber trotzdem unterbelichtet. Dass Sargnagel in Haltung und Text keine bloße Blödlerin oder alberne Aktionistin ist, sondern eine hochpolitische (Kunst-)Figur, die gegen neue und nicht mehr ganz so neue Rechte anschreibt, an der Macht des „alten, weißen Mannes“ kratzt und das Selbstverständnis des besonders bürgerlichen Bildungsbürgertums ungeschönt-schonungslos als schöne Selbstgefälligkeit bloßstellt.

Will man dieser Sargnagel auf die Schliche kommen, sollte man dieser Tage nicht ins Kino, sondern ins Innsbrucker Theater praesent gehen. Dort wird „Statusmeldungen“ gespielt. Ausgehend von Sargnagels gleichnamiger Textsammlung – sie erschien 2017, geht aber auf Social-Media-Miniaturen seit 2015 zurück – hat das praesent-Team eine belastbare Bühnenfassung komponiert. Eingedenk des Umstands, dass Sargnagels damalige Zustandstexte zwischen Beisl und Bachmann-Preis vornehmlich impressionistisch hingerotzt waren – oder zumindest den Anschein erwecken sollten –, ist schon deren Dramatisierung eine Großleistung.

In den „Statusmeldungen“ (Regie: Susanne Schmelcher) wird dementsprechend nicht nur Meldung gemacht, also Text deklamiert. Es wird gespielt. Manchmal mit Schlagzeug, Loop-Station, Mischpult und Mikro – und immer mit ganzem Körpereinsatz. Michaela Senn, Elke Hartmann und Florian Mania verkörpern Variationen der Kunstfigur Stefanie Sargnagel: die müde Telefonistin, die ernüchterte Expertin fürs Grindige, die beherzte und bisweilen vom Boulevard bedrohte öffentliche Figur.

Sie machen das toll: ironisch distanziert und doch ganz bei der Sache. Das Dekor (Bühne und Ausstattung: Katharina Ganner) ergänzt um atmosphärische Details: da ein rotes Mützchen, dort eine „Hysteria“-Leuchtschrift-Röhre. Das ist alles sehr stimmig, mitunter sehr, sehr lustig – und, gerade wenn es besonders lustig wird, immer auch ein bisschen unbequem.

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