Pariser Klimaziele durch CO2-Neutralitäts-Ansagen noch in Reichweite

Werden die Pläne vieler Länder Realität, könnte die Ererwärmung auf zwei bis 2,4 Grad Celsius plus begrenzt werden. Die aktuelle Politik sei allerdings „keineswegs auf Linie mit den angekündigten Neutralitäts-Zielen, mahnen Forscher.

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Der mittlerweile größte CO2-Emissionsverursacher China will bis 2060 klimaneutral sein.
© JOHANNES EISELE

Laxenburg – Die von vielen Ländern in den vergangenen Jahren und Monaten ausgerufenen Gelöbnisse, Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts zu erreichen, könnten das in die Ferne gerückte Erreichen der Pariser Klimaziele wieder realistischer werden lassen. In einem Beitrag im Fachblatt „Nature Climate Change“ berichten Forscher, dass so die Klimaerwärmung bis 2100 auf „nur“ zwei bis 2,4 Grad Celsius begrenzt würde. Voraussetzung: Die Ziele müssen komplett erfüllt werden.

Die EU hat sich das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 im vergangenen Jahr rechtlich bindend sozusagen hinter die Ohren geschrieben. Ab dann dürfen in der EU nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als anderweitig kompensiert werden. In einem Zwischenschritt will man bis 2030 mindestens 55 Prozent weniger Treibhausgas ausstoßen als im Vergleichsjahr 1990.

Der mittlerweile größte CO2-Emissionsverursacher China möchte bis 2060 klimaneutral sein. Die USA als zweitgrößter CO2-Produzent haben sich dieses Ziel bis 2050 gesteckt. Dazu kommt eine Vielzahl weiterer Länder, die sich verschiedenste nationale Ziele gesetzt haben oder dies tun wollen. Nahezu allen derartigen Ansagen ist gemein, dass sie häufig schwer miteinander vergleichbar und vielfach wenig konkret sind.

Insgesamt zählen die Autoren des Beitrags, unter denen sich auch Joeri Rogelj vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien und vom Imperial College London findet, 131 Länder, die derartiges zumindest diskutieren oder bereits Klimaneutralitäts-Pläne lanciert haben. Diese Staaten würden gemeinsam für 72 Prozent der aktuellen Emissionen verantwortlich zeichnen.

Bei momentaner Linie nicht machbar

Komme all das an CO2-Einsparung auch auf den Boden der Realität, würde die Welt deutlich besser aussteigen als in aktuellen Szenarien: Bleibe es nämlich bei der momentanen politischen Linie, sei mit einem Temperaturanstieg von 2,9 bis 3,2 Grad Celsius zu rechnen. Treten die Zusagen des Pariser Abkommens ein, wären es immer noch zwischen 2,4 und 2,9 Grad plus, schreiben die Wissenschafter in ihrer Analyse.

Auf Basis ihrer Berechnungen betonen die Forscher die Sinnhaftigkeit von Versuchen, die Klimaneutralität zu erreichen. Diese „guten Vorsätze“ könnten die Pariser Klimaziele wieder in Reichweite bringen. Die teils sehr vagen Pläne müssten nun aber rasch in „kurzfristiges Handeln“ umgesetzt werden. Die aktuelle Politik sei allerdings „keineswegs auf Linie mit den angekündigten Neutralitäts-Zielen“, heißt es in der Publikation. (APA)


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