Metaller wärmen sich für den heißen Lohn-Herbst auf

Metall-Unternehmen fordern Lohnabschluss mit „Vernunft und Augenmaß“. Gewerkschaft besteht nach der Vorjahres-Bremse auf ein kräftiges Plus.

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Bei den Metallern steigt vor den Verhandlungen die Betriebstemperatur.
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Wien – Nächsten Donnerstag startet die Metalltechnische Industrie in die Herbstlohnrunde, dafür haben gestern die Unternehmensvertreter ihre Pflöcke eingeschlagen: Nötig sei ein Abschluss der Lohnverhandlungen „mit Vernunft und Augenmaß“. Im Großteil der Branche seien die Auftragsbücher zwar gut gefüllt, „aber wir kriegen die Ware nicht raus“, sagte Christian Knill, Obmann der Metalltechnischen Industrie, zu den aktuellen Lieferproblemen. Dazu kämen steigende Kosten, etwa für Stahl oder für Container aus Asien. 45 Prozent der Mitgliedsbetriebe würden geringere Margen als in den Vorkrisenjahren erwarten. Die 1200 Betriebe der Branche beschäftigen über 134.000 Mitarbeiter, die mit einem Produktionswert von 36 Mrd. Euro ein Viertel der gesamten Industrie erwirtschaften. 4,6 Prozent dieser Betriebe sind noch in Kurzarbeit.

Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA haben dem Wunsch nach Zurückhaltung bei den Lohnforderungen umgehend eine Absage erteilt. „Im Pandemiejahr 2020 haben wir sehr verantwortungsvoll gehandelt. Heuer sind die Voraussetzungen gänzlich andere. Es gibt ein sensationelles Wirtschaftswachstum, die Auftragsbücher in der Industrie sind voll und die Produktivität in der Warenherstellung steigt laut den Wirtschaftsforschern um 3,3 Prozent. Es ist Zeit für einen kräftigen Reallohnzuwachs“, betonten die beiden Chefverhandler auf Arbeitnehmerseite, Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA). Sie hatten bereits zuvor angekündigt, dass es im Geldbörsel der Arbeitnehmer „rascheln“ muss.

Den Verhandlungen liegt eine Inflation von 1,89 % zugrunde – hinzu kommt traditionell noch der Produktivitätszuwachs. Allerdings lag die Teuerung heuer im Juni und Juli bei fast 3 %, im August dürfte sie darüber gelegen sein. Man dürfe „den Fehler von 2008 nicht wiederholen, damals wurde zu hoch abgeschlossen“, meinte Knill. Dies könne dazu führen, dass Produktionskapazitäten in den Osten verlagert würden. Asien hingegen sei „nicht mehr so attraktiv“.

Die Europäische Zentralbank rechnet aber für 2022 wieder mit niedrigeren Inflationsraten. EZB-Chefin Christine Lagarde erwartet, dass das mit der Pandemie aufgetauchte Inflationsgespenst verschwindet, wenn die Krise ausgestanden ist. Dann dürften auch die Materialengpässe etwa bei Stahl und Holz vorbei sein, die für massive Kostensteigerungen sorgen. Lagarde will aber generell ein wachsames Auge auf die Lohnrunden haben, wobei „wahrscheinlich ein stufenweiser und moderater Anstieg“ der Löhne zu erwarten sei, denn hohe Lohnabschlüsse könnten wiederum inflationstreibend wirken, warnt der deutsche Lohn-Experte Hagen Lesch vom IW-Institut. (APA, Reuters)

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