Petitessen einer Flaneurin, die das Bunte nicht mag

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Bei Flora: „Blick“ von Lotte Seyerl.
© Seyerl

Innsbruck – Mit den delikaten kleinen, fast quadratischen Bildern von Lotte Seyerl eröffnet die Innsbrucker Galerie Thomas Flora ihren herbstlichen Ausstellungsreigen. Menschen sind das zentrale Thema der Wienerin, die eine leidenschaftliche Flaneurin ist. Sie folge Menschen, die sie aus den unterschiedlichsten Gründen interessieren, bisweilen stundenlang, um sie, ohne dass diese es bemerken, mit ihrem Handy zu fotografieren.

Der Übergriffigkeit dieses Tuns sei sie sich durchaus bewusst, sagt die Künstlerin, es sei aber auch der Grund, weshalb die meisten ihrer in einer feinen Mischtechnik aus Tuschen, Bleistiften und Tempera gezeichneten bzw. gemalten ProtagonistInnen von hinten zu sehen bzw. ihre Gesichter verwischt sind. Was allerdings ideal zu den Stimmungslagen von Verlassenheit und Isolation passe, um deren Ausdruck sie als Künstlerin ringe. Um etwa eine in sich versunkene Telefonierende oder eine eine Katze zärtlich streichelnde Frau zum aufregend unaufgeregten Mittelpunkt von Arbeiten zu machen, oder einen Mann, der sich über ein Geländer beugt – in welcher Absicht auch immer.

Die Farbigkeit Lotte Seyerls ist eine monochrom zurückgenommene, bisweilen fast düstere. Ja, eine Bunte sei sie nicht, sagt die Künstlerin, die ihre malerischen Petitessen nie unmittelbar vor dem Motiv, sondern ausschließlich in ihrem Atelier – bisweilen auch inspiriert von Filmstills – malt. Spielend mit raffinierten Ausschnitten und extravaganten Perspektiven, mit Licht und Schatten, Vorder- und Hintergründen, Ein- und Mehrdeutigem. (schlo)


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